Livestream

Bremen Zwei Musik CD-Tipps

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

CD-Tipp

Sleep Well Beast

Leidenschaft und Hingabe

4. Oktober 2017

The National, aus Cincinnati/Ohio, veröffentlichten 2001 ihr erstes Album und erspielten sich seither eine treue Anhängerschaft. Und das, obwohl ihre Musik so gar nicht in die knallige Popwelt unserer Tage passt. Ob die Band auch auf ihrem neuesten Album mit ihrem eher düsteren Sound überzeugen kann?

CD-Cover: Sleep Well Beast [Quelle: 4ad/Beggars Group]
The National: Sleep Well Beast [Quelle: 4ad/Beggars Group]

Wie heißt es so passend in Hermann Hesses Gedicht "Stufen": "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Allerdings kann auch Kontinuität faszinierend sein, nämlich ganz genau dann, wenn es nicht ganz offensichtlich ist, warum etwas über einen längeren Zeitraum funktioniert.

Mehr Raum zum Durchatmen

Es ist Nacht. Wir sehen von außen auf eine Scheune, erkennen kaum die Umrisse. Durch ein scheinbar etwas zu großes Fenster können wir ins Innere des Gebäudes sehen, erkennen dort fünf Menschen. Eine Person mit Telefon, eine andere mit Gitarre. Die Scheune ist ein Studio. Hier entstand das neue Album von the National: "Sleep Well Beast".

Es ist das erste Studioalbum nach vier Jahren. Man wollte etwas Neues ausprobieren, hieß es im Vorfeld, die letzte Platte sei zu gefällig gewesen. Und es stimmt schon; der Gesamtklang ist etwas rauer, die Songs bekommen mehr Raum und dürfen Durchatmen. Außerdem gibt es dezente Loops und Drummachines zu entdecken, es tönt insgesamt elektronischer auf dem Album, wofür auch die deutschen Gäste Andi Toma und Jan Werner von Mouse On Mars verantwortlich sein dürfen.

Trotz Pathos noch immer intim

Dennoch spielen sich die Veränderungen eher auf einer kosmetischen Ebene ab und "Sleep Well Beast" hält natürlich an den Grundpfeilern des Bandsounds fest. Das treibende Schlagzeug, die sakralen Chöre im Hintergrund und das regierende Tongeschlecht "Moll", das alles macht noch immer The National aus. Nicht zu vergessen das wichtigste Klang-Element: Der Bariton des Sängers Matt Berninger.

Resignation und Aufbruch, Melancholie und Lebenslust liegen thematisch dicht beieinander. Die Texte verhandeln oft Beziehungsprobleme, aber auch deren Lösungen. Neben den privaten Befindlichkeiten spielt aber auch immer der aktuelle Zeitgeist Amerikas eine Rolle. Themen wie Politik, Gesellschaft, Trump...

Während Bands wie U2 oder Coldplay nur noch für die großen Stadien produzieren, gelingt The National auch auf ihrem siebten Album das Kunststück, trotz dem offensichtlichen Pathos immer noch intim zu klingen. "Sleep Well Beast" ist natürlich nichts anderes als Rockmusik und will zum Glück auch nichts anderes sein. Wer jedoch nach 18-jähriger Bandgeschichte noch immer mit solcher Leidenschaft und Hingabe ein Album produzieren kann, muss sich auch für die Zukunft keine Sorgen machen.

The National: Sleep Well Beast [3:38 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. Oktober 2017, 11:40 Uhr

CD-Tipps
Mehr in der Rubrik "CD-Tipps"