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Wake Up Now

26. September 2017

Ein Individualist ist per Definition jemand, der ganz nach seinen eigenen Vorstellungen lebt und wenig von gesellschaftlichen Konventionen und Regeln hält. Der Brite Nick Mulvey scheint so jemand zu sein. Jetzt erscheint mit "Wake Up Now" sein zweites Solo-Album. Max Spallek hat es für Sie gehört.

Cover: Nick Mulvey, Wake Up Now, Caroline/Universal [Quelle: Caroline/Universal]
Nick Mulvey, Wake Up Now, Caroline/Universal [Quelle: Caroline/Universal]

Schon mit 19 verlässt Mulvey die Heimat und studiert auf Kuba Musik. Voller Tatendrang kehrt er zwei Jahre später nach London zurück, gründet mit Freunden das Portico Quartet und balanciert dann jahrelang zwischen Jazz und Minimal-Elektronik.

Zu viele Köche?

Anders als bei seinem Debüt, bei dem Mulvey wirklich fast alles allein spielte, wird diesmal auf die Idee des Kollektivs gesetzt. So gab im Vorfeld der Produktion wohl sogar die Legende Brian Eno gute Ratschläge, Freunde und Bekannte spielen und arrangieren auf der Platte mit und der wunderbare Ethan Johns produziert. Und nein, wir haben es hier nicht mit zu vielen Köchen zu tun. Wir hören orientalische und afrikanische Melodiefiguren, erleben unterschiedlichste Percussioninstrumente, Streicher und Bläser und gewöhnen uns auch recht schnell an die vielleicht etwas überpräsenten Chorstimmen.

Das wirklich Außergewöhnliche bei diesem Album ist aber der fast schon hypnotische Sog, der von Nick Mulveys Kompositionen ausgeht. Die einfachen Melodien, die meist nur von wenig Akkorden getragen werden, entwickeln gerade bei den längeren Songs fast schon die spirituelle Kraft eines Mantras.

Kraftvolle Sounds und einträgliche Melodien

Inhaltlich dreht sich alles um uns Menschen und wie wir miteinander umgehen oder leider eben auch nicht. Das klingt ab und zu schon sehr nach Love and Peace - Allerlei, berührt uns aber doch. Gerade nämlich dann, wenn Mulvey konkreter wird und Geschichten erzählt, wie die der 21-jährigen Sonda Jade aus dem Sudan, die, im vierten Monat schwanger, nach einer lebensgefährlichen Bootsfahrt übers Mittelmeer auf Lampedusa gestrandet ist.

"Wake up Now" von Nick Mulvey ragt mit seinem kraftvolle Sound und seinen eindringlichen Melodien aus dem aktuell nichtssagenden Songwriter-Meer hervor. Und gut für Ihr Karma ist es wahrscheinlich auch.

Nick Mulvey: Wake Up Now [3:37 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 28. September 2017, 11:40 Uhr

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