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Not Dark Yet

21. August 2017

An ihren Nachnamen erkennt man nicht, dass sie Schwestern sind, doch die beiden Songwriterinnen Lynne und Moorer sind es und beide seit Jahren fester Bestandteil der "Americana"-Szene in den USA. Dort kennt man sie als Song-Stilistinnen der Extraklasse. Nun haben sie ihr erstes gemeinsames Album veröffentlicht.

Cover: Shelby Lynne & Allison Moorer, Not Dark Yet, Silver Cross Records [Quelle: Silver Cross Records]
Shelby Lynne & Allison Moorer, Not Dark Yet, Silver Cross Records [Quelle: Silver Cross Records]

Eine tragische Familiengeschichte

"Not Dark Yet" – ein später Song von Bob Dylan gibt diesem Album von Shelby Lynne und Alison Moorer den Titel. Ein Song über das herannahende Ende eines Weges. Und in der Tat: Das Dunkle ist wichtiger Teil der Geschichte dieser beiden amerikanischen Schwestern, die heute in ihren Vierzigern sind. Und die als Teenager Augenzeuginnen einer Familientragödie wurden: Vor den Augen der Kinder erschoss der Vater ihre Mutter und dann sich selbst. Shelby war siebzehn, Allison vierzehn.

Knapp zwei Dutzend Alben haben die beiden Schwestern als Solistinnen gemacht. Dies ist ihr Debut als Duo, und das Band der genetischen Verbindung ist hörbar in ihren Stimmen. Gespeist aus Traditionen der Südstaaten-Musik, von Country bis Soul. Lynne und Moorer kommen aus Alabama. Sie tragen etwas von dem in sich, was die US-Literaturgeschichte als "Southern Gothic" kennt. Eine dunkle Welt voller Mythen, voller Musik und Geheimnis. Man begegnet dem Ganzen hier in Songs aus der Feder anderer: Townes van Zandt, Merle Haggard, Jason Isbell, The Killers.

Musik für Erwachsene

Zehn Songs in siebenunddreißig Minuten – das ist ein kurzes Album, eines in LP-Länge. Produziert hat Songwriter Teddy Thompson, ein ausgesprochener Fan von Popsongs mit klassischen Country- und Roots-Bezügen. Doch es geht hier nicht um Pop, es geht um Musik für Erwachsene. Shelby Lynne und Allison Moorer sind dabei im Wesentlichen geschmackssicher und souverän in der Songauswahl. Nur eine missratene Version von Kurt Cobains Klassiker "Lithium" hätte man besser verworfen. Überzeugender hingegen die Interpretation eines Nick Cave-Liebesliedes der Extraklasse – "Into My Arms".

"Not Dark Yet" – von Shelby Lynne und Allison Moorer ist ein längst überfälliges Album. Ein Album mit Understatement. Dazu ein Ausdruck tiefer schwesterlicher Verbundenheit, im Wissen um gemeinsam erlebtes Schicksal und gelebtes Leben. "Zusammen zu singen ist für uns, wie nach Hause zu kommen", sagte die einstige Grammy-Gewinnerin Shelby Lynne kürzlich der New York Times. Und ihre Schwester Allison ergänzte: "Wir sind die Leibwächterinnen der Seele des anderen". Den letzten Song ihres Albums haben sie selbst geschrieben: "Is It Too Much". Eine Fortsetzung ist schon geplant. Dann nur mit eigenen Songs.

Shelby Lynne & Allison Moorer: Not Yet Dark [3:45 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. August, 11:40 Uhr.

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