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Songs Of Bob Dylan

29. August 2017

Es ist mittlerweile gut zwanzig Jahre her, dass die amerikanische Sängerin Joan Osborne mit dem Song "One Of Us" einen internationalen Hit in den Pop-Charts hatte. Heute ist die Wahl-New Yorkerin eine Chanteuse, die etwas abseits der eigentlichen Pop-Welt arbeitet. Als Interpretin, die ihre Stimme für ganz unterschiedliches Repertoire einsetzt.

Cover: Joan Osborne, Songs of Bob Dylan,Womanly Hips Records (Alive) [Quelle: Columbia (Sony Music)]
Joan Osborne, Songs of Bob Dylan, Womanly Hips Records (Alive) [Quelle: Columbia (Sony Music)]

Poet Amerikas

Wir erinnern uns: "What if God was one of us…" sang Joan Osborne auf ihrem Erfolgsalbum “Relish” 1995 nicht frei von öffentlicher Kontroverse. Außerdem schon damals dabei ein Song von Bob Dylan: "Man In The Long Black Coat". Das Werk des Nobelpreisträgers war schon immer Inspirationsquelle für andere Interpreten. Jetzt widmet auch Osborne sich diesem Einfluss. Inspiriert von einer New Yorker Bühnenshow, bei der die Sängerin ausschließlich Dylan-Songs sang. "Er ist der epische Poet Amerikas", sagt Joan Osborne, "und jeder Vokalist kann in seinem Werk einen unglaublichen Reichtum finden".

Mit einem von Memphis Soul inspirierten Arrangement von Dylans wortgewaltigem "Tangled Up In Blue" eröffnet Joan Osborne ihr Dylan-Album. Sie ändert dabei die Geschlechter der Protagonisten des Songs nicht – und liefert so eine Art feministische Variante dieses Siebziger Jahre-Klassikers. Osborne singt hier Songs aus vielen Schaffensperioden des Songwriters Dylan. Nur sechs der dreizehn Songs des Albums stammen dabei aus dem klassischen Jahrzehnt der "Sixties".

Intelligente Interpretationen

Joan Osborne ist eine Sängerin, die mit Pop-Sentimentalität nichts am Hut hat. Sie liefert intelligente - aber nicht übermäßig gefühlsbetonte - Interpretationen bekannterer und entlegenerer Songs aus dem mächtigen Kanon des Barden. Osborne weiß, wie tief diese Songs in der amerikanischen Kultur verankert sind. Sie spürt hier vor allem ihren verborgenen melodischen Schätzen nach. Dass Joan Osborne dabei fündig wird, ist keine Überraschung.

Bei Song-Perlen wie der Achtziger Jahre-Rarität "Dark Eyes" zeigt sich das Talent der Interpretin Osborne am deutlichsten. Sie eifert nicht den stimmlichen Eigenarten der Originale nach, sie liefert mit ihrer auch an Soul-Klassikern geschulten kraftvollen Stimme ein interpretatorisches Pendant, das zwar nicht die stimmliche Intensität von Dylan hat, aber auf sicheren Füßen steht und neue emotionale Schattierungen des Materials liefert.

Joan Osborne fand einige der für sie besten Songs in Dylans Schaffen der achtziger und neunziger Jahre. Hörbar ist, das Osborne nicht mit unlimitiertem Produktions-Budgets arbeiten konnte – ihr Engagement und ihre Autorität stehen aber außer Frage. "Es ist wie bei einem Schauspieler, der eine tolle Rolle bekommt", sagt die Sängerin, "man ist begeistert, solche Zeilen zu haben. Sie sind so kraftvoll, dass sie einen über sich selbst erheben. Und in einer Zeit wie dieser brauchen wir diese Kraft".

Joan Osborne: Songs Of Bob Dylan [3:36 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. August, 11:40 Uhr.

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