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CD-Tipp

Painted Ruins

5. September 2017

Musikkritiker gefällt es, Künstler und Bands in Stil-Schubkästen zu stecken. Das ist praktisch, geht flott von der Hand und funktioniert auch fast immer. Wenn eine Band jedoch erfolgreich jedes Klischee-Fettnäpfchen umschifft, kann auch der Kritiker nicht umhin und muss sich mit sehr frischen Ohren an das jeweilige Werk setzen.

Cover: Grizzly Bear, Painted Ruins, RCA/Sony [Quelle: RCA/Sony]
Grizzly Bear, Painted Ruins, RCA/Sony [Quelle: RCA/Sony]

Zur Geschichte

Grizzly Bear begann als Solo-Projekt des Singer/Songwriters Ed Droste und mauserte sich in den sogenannten Nuller Jahren schnell zum hippen Aushängeschild der Brooklyn-Szene New Yorks. Mit ihrem dritten Longplayer "Veckatimest” schaffte das Quartett 2009 den Sprung in die Top-Ten der heimatlichen US-Charts. Gestern noch Geheimtipp und heute schon etabliert. Glücklicherweise merkt man das dem neusten Album von Grizzly Bear immer noch nicht an.

Anfangs scheint die Platte “Painted Ruins” eine Masse zu sein, die wir nur schwer durchdringen können. Kompliziert wirkende Melodien, mehrschichtige Schlagzeug- und Percussionarbeit, und die stets unkonventionellen Arrangements fordern selbst den ambitioniertesten Hörer heraus. Die starre Form von Strophen und Refrains verlieren ihre Wichtigkeit und vertraut akustische Elemente treffen ständig auf verwirrende Synthesizer-Arbeit.

Mutig und gewagt

Die mittlerweile an unterschiedlichen Orten lebenden Musiker schickten zunächst ihre Ideen digital hin und her, man traf sich sogar Online für Jam-Sessions. Für die finalen Aufnahmen allerdings mietete man sich Studios in New York und Los Angeles und produzierte alles selbst. Und auch das macht natürlich den unwiderstehlichen Charme dieser Platte aus. Denn da, wo herkömmliche Produzenten vielleicht Instrumente eher reduziert hätten, spielen die Herren von Grizzly Bear gleich noch ein paar Spuren ein. Und da, wo Lieder hätten gekürzt werden können, wurden sie gnadenlos verlängert. Ein ausuferndes Album, prächtig und vertrackt, experimentell aber doch eingängig. Beach-Boys-Charme und Steely- Dan-Groove.

Sie hätten es sich leichter machen können. So wie Mumford & Sons, die einfach immer weiter in die Poprichtung marschienen, oder wie die Fleet Foxes, die sich auf ihrer letzten Platte so sehr selbst kopierten, dass es fast wie eine Persiflage klang. Aber das haben sie nicht. “Painted Ruins” von Grizzly Bear ist ein wirklich herausragendes Album, welches mutig und gewagt ist und dadurch auf ganzer Linie gewinnt.

Grizzly Bear: Painted Ruins [3:36 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 5. September 2017, 11:40 Uhr

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