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Murmuration Nation

24. August 2017

Als eine Hälfte des Duos "Indigo Girls" ist die amerikanische Songwriterin seit 30 Jahren ein Star der alternativen Szene der USA. Gemeinsam mit ihrer Duopartnerin Amy Ray steht die Musikerin aus Georgia auch für ein waches politisches Bewusstsein. Es ist jetzt auch zu finden auf dem ersten Solo-Album von ihr.

Cover: Emily Saliers, Murmuration Nation, Megaforce (H'Art) [Quelle: Megaforce (H'Art)]
Emily Saliers, Murmuration Nation, Megaforce (H'Art) [Quelle: Megaforce (H'Art)]

Debüt als Solistin

Es ist ein spektakuläres Naturschauspiel: die "Murmuration" der Stare. Jedes Jahr im Spätherbst versammeln sich in England abertausende Singvögel zu einer besonderen Zusammenkunft, vor ihrem Zug in mildere Gefilde. In wilden Schwärmen rauschen die Vögel aufeinander zu, in Wellen- oder sogar Tornadoform. Ein Phänomen offenbar ganz ohne innere Hierarchie. Emily Saliers fühlte sich daran erinnert als Teilnehmerin an Protesten nach der letzten US-Präsidentschaftswahl. Sie fühlte sich als Teil des neuen Widerstandes. Einer neuen Bewegung - der "Murmuration Nation".

Von ihrer Duo-Partnerin Amy Ray gibt es schon sechs Solo-Album. Emily Saliers hat sich viel Zeit gelassen für ihr Debut als Solistin. Sie finanzierte das Projekt durch eine Crowdfunding-Kampagne, trat dafür in engen persönlichen Kontakt mit vielen Fans. Schon immer schrieb Saliers offen über Persönliches, gemeinsam mit KD lang und Melissa Etheridge gehörten die Indigo Girls aus Georgia schon in den Achtzigern zu den Künstlerinnen, die ein Coming Out wagten, zu einer Zeit als das nicht üblich war. Die eigene Furcht überwinden, ehrlich sein – das war die Grundhaltung. Mut und Offenheit sorgten für eine enge Bindung zum Publikum bis heute. Emily Saliers präsentiert auch solo einige einfühlsame Songs über Angelegenheiten des Herzens.

Mehr Groove als bisher

Wer jedoch eine Fortsetzung des auf schönem Harmoniegesang und vielen Akustikgitarren basierenden "Indigo-Sounds" spekuliert hatte, der wird hier überrascht. Emily Saliers setzt auf mehr E-Gitarre, mehr Arrangement, und vor allem mehr Groove. Sie ist ein erklärter Hip-Hop-Fan und übernimmt hier in einigen Songs aus der schwarzen Musikwelt dezent das Konzept, Intensität auch durch Beats zu erzeugen. Zum Beispiel im Song "OK Corral" – einer Abrechnung mit dem amerikanischen Waffen-Wahn.

"Murmuration Nation" von Emily Saliers ist ein klanglich überraschendes und inhaltlich ambitioniertes Pop-Album. Die Balladen-Expertin der Indigo Girls bietet neben Bewährtem auch Unerwartetes. Produktionstechnisch jedoch wird dabei meistens der für viele US-Produktionen so typische hohe Pegel gefahren. Das signalisiert vor allem eines: Saliers möchte von so vielen Menschen wie möglich gehört werden, nicht nur Musik für ein Nischen-Publikum machen. In Deutschland sollte man diese exzellente Songwriterin und engagierte Popkünstlerin wieder neu in den Blick nehmen. Mit oder ohne Indigo.

Emily Saliers: Murmuration Nation [3:35 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. August, 11:40 Uhr.

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