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CD-Tipp

Sky Trails

Über die Suche nach letzten Antworten

10. Oktober 2017

Er ist eine Symbolfigur der Generation "Woodstock" und hat nun mit 76 Jahren ein neues Album veröffentlicht. Es ist eine Song-Kollektion mit Band-Charakter und beginnt mit einer Überraschung. Crosby präsentiert mit seinem Sohn James Raymond einen Song im Steely Dan-Groove.

CD-Cover: David Crosby: Sky Trails [Quelle: BMG Rights Management]
David Crosby: Sky Trails [Quelle: BMG Rights Management]

David Crosby hat auch eine Meinung zum aktuellen Pop-Geschehen: Superstar Kanye West könne weder singen noch spielen, und jemand möge ihn zum Haus von Stevie Wonder fahren, damit er mal eine wahre Musikgröße sehen könne, so Crosby in US-Medien. Und mit Platten von Ray Charles könne er dann vielleicht auch lernen, wie man singt.  David Crosby selbst kann mit 76 Jahren immer noch ziemlich gut singen – und bleibt mit seinem neuen Album "Sky Trails"unerwartet kreativ und vital.

Es beginnt mit einer Überraschung: David Crosby präsentiert  – gemeinsam mit seinem Sohn, dem Pianisten, Songwriter und Produzenten James Raymond – einen Song im Steely Dan-Groove. Sogar mehr als das: "She’s Got To Be Somewhere" ist der beste Steely Dan-Song, den die nie geschrieben haben. David Crosby ist auch im Alter Fan geblieben. Dazu ein Musiker mit neuem Schaffensdrang und erstaunlich vielen Ideen.

Dynamische Bandbreite

Nachdem das Vorgänger-Album "Lighthouse" ein rein akustisches Balladen-Album war, ist "Sky Trails" eine Song-Kollektion mit Band-Charakter. Der gesundheitlich angeschlagene Crosby weiß: Er hat nicht mehr viel Zeit. Mit den alten Kollegen Stills, Nash und Young hat er es sich verscherzt – CSNY ist Geschichte. Crosby muss weiter arbeiten und tut dies mit der ihm eigenen Kombination aus hochmusikalischer Haltung und störrischer Energie, in einem Soundgeflecht zwischen Folk und Jazz. Es ist Songwriter-Musik, inszeniert als Folk-Jazz, mit einer dynamischen Bandbreite, die Extreme vermeidet. Und die sich mit einem 40 Jahre alten Song auch vor der schwer erkrankten Teilzeit-Weggefährtin Joni Mitchell verneigt.

Crosby wäre nicht Crosby, wenn nicht auch das aktuelle politische Unheil als Teil amerikanischer Befindlichkeiten Thema wäre. Im Song "Capitol" legt der greise Rebell noch einmal seinen Finger in die Wunden. Er beschimpft das politische Establishment in Washington als käuflich und amoralisch, als unwürdige Volksvertreter vor einem Hintergrund der mächtigen Nationalsymbolik der Vereinigten Staaten. Ein meinungsfreudiges Großmaul war David Crosby schon immer – hier lenkt er seine aufmüpfige Energie noch einmal in die Richtung der alten Opponenten seiner Jugend. Als CSNY mit Songs wie "Ohio" die Stimme des Protestes anführten.

Ein erster Abschied

David Crosby bleibt auch auf diesem erstaunlich hörenswerten Alterswerk der geläuterte alte Hippie seiner späten Jahre. Dass seine Stimme immer noch so jugendlich klingt, verblüfft und sorgt für Respekt. Crosby ist immer noch ein Sänger von Format, absolut intonationssicher und souverän. Am Schluss steht mit "Home Again" ein Song, den David Crosby für einen Film schrieb. Er singt darin von der Geborgenheit eines Zuhauses und richtet den Blick gen Himmel. Vielleicht ist dieses neue Album ja doch ein erster Abschied. "Sky Trails" – Himmelsfährten. Den Titelsong schrieb Crosby mit der New Yorker Songwriterin Becca Stevens. Ein Song über die Suche nach letzten Antworten. Antworten, die immer noch nicht gefunden sind.

David Crosby: Sky Trails [3:40 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Oktober 2017, 11:40 Uhr

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