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Bone On Bone

Seit 2017 Mitglied der "Canadian Songwriters Hall Of Fame"

8. September 2017

Auch wenn sein Name hierzulande nicht so geläufig ist wie Leonard Cohen oder Joni Mitchell, ist der kanadische Songpoet Bruce Cockburn eine veritable Musiklegende seines Landes. Seit fast 50 Jahren veröffentlicht er seine Songs. Jetzt ist, nach siebenjähriger Pause, Album Nr. 33 von ihm erschienen.

Cover: Bone on Bone [Quelle: True North Records]
Bruce Cockburn: Bone on Bone [Quelle: True North Records]

Debüt erschien 1970

In Deutschland lernte man die Musik von Bruce Cockburn vor allem in den frühen 1980er Jahren kennen. Damals legte der virtuose Gitarrist aus Kanada inhaltlich Schwerpunkte auf Protest gegen die Außenpolitik der Reagan-Regierung im Kriegsgebiet Mittelamerika. Auch in den Folgejahren reiste der Songpoet – meist im Auftrag kanadischer Wohltätigkeits-Organisationen – immer wieder in Länder wie Mozambique oder Afghanistan. Er schrieb überall Songs über das, was er sah und erlebte. Die neuen Songs auf "Bone On Bone" entstanden dort, wo Cockburn heute lebt, als Vater einer fünfjährigen Tochter: in San Francisco, Kalifornien.

Spiritueller Musiker

Mit dem Song "States I’m In" eröffnet Cockburn sein 33. Album. Frei übersetzt: "Meine Zustände". Oder auch das Wortspiel eines Kanadiers in den Vereinigten Staaten, der die dortigen dramatischen Geschehnisse mit Sorge verfolgt. Doch Cockburn hat mit "Bone On Bone" kein weiteres politisches Album gemacht. Zeit seines Lebens war er auch ein spirituell motivierter – oft von christlicher Mystik befeuerter – Sinnsucher aus innerer Notwendigkeit. Das ist so geblieben und rückt hier neu ins Blickfeld. Mit einem Auge in der Welt, mit dem anderen im Kosmos. Cockburn bleibt ein Künstler mit poetischer "Double Vision". Er sieht eine Welt hinter der unmittelbaren Realität und bleibt in krisenhaftem Kontakt mit dem Göttlichen.

Musikalisch hat Bruce Cockburn sich wieder in die Hände des Produzenten Colin Linden begeben, einem kanadischen Blues- und Roots-Musiker, der das Klangbild des Albums mit Ecken und Kanten versehen hat. Die virtuose Akustikgitarre von Cockburn ist dabei die Instanz im Zentrum des Geschehens. Die Stimme des heute 72-jährigen klingt bisweilen tiefer und rauer – doch es passt. Cockburn bleibt ein wortgewaltiger Songpoet, der seine Texte gelegentlich auch rezitiert. Der Kanadier ist und war – trotz einiger Pop-Hits zu Hause –  nie ein Mann  für den einfachen Konsum. Man muss seiner Poesie folgen und zuhören, damit sich ihre Tiefe erschließt. Auch wenn es um unbequeme Dinge wie Öl im Meer geht – im Song "False River".

Bewährtes von hoher Qualität

Im Jahr 2014 erschien im anglo-amerikanischen Kulturkreis "Rumours Of Glory", die mehr als 500 Seiten starke Autobiographie von Bruce Cockburn. Ein inspiriertes Meisterwerk von großer Substanz, an dem der Autor drei Jahre schrieb. Ein Grund für die lange Wartezeit auf dieses neue Album. "Bone On Bone" bietet musikalisch zwar nichts Neues, aber das Bewährte von hoher Qualität. Und einen der schönsten Cockburn-Songs seit langem: "40 Years in The Wilderness". Ein Plädoyer für den permanenten Neuaufbruch in unbekannte Lebensgefilde. So hat es Cockburn immer gehalten in seinem langen Songwriter-Leben. Er ist noch unterwegs.

Bruce Cockburn: Bone On Bone [3:40 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 8. September 2017, 11:40 Uhr

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