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Swimming In Mercury

Vom Folk zurück zum Popsong

14. August 2017

Er ist ein britischer Pop-Veteran der achtziger Jahre, der Sänger und Songwriter Boo Hewerdine. Als Frontmann der Band "The Bible" zählte der schlaksige Engländer zu den besten Pop-Melodisten seiner Generation. Jetzt kehrt er - nach Jahren vorwiegend in der Folk-Welt - zurück zum Popsong in bester Tradition.

Cover: Swimming in Mercury [Quelle: Reveal]
Boo Hewerdine: Swimming in Mercury [Quelle: Reveal]

Reflektion und Wehmut

Irgendwann trifft es alle – und auch Boo Hewerdine ist mit  seinen sechsundfünfzig Jahren in der Lebensmitte angekommen. Zeit also für etwas Reflektion und einige wohl dosierte Blicke zurück. Nach Jahren vorwiegend in der Band der schottischen Folk-Sängerin Eddi Reader, ist "Swimming in Mercury" das erste Hewerdine-Album im Pop-Modus seit einiger Zeit. Mit "Satellite Town" beginnt Mr. Boo seinen musikalischen Reigen. Ein Song über den Wunsch nach Auswegen aus stressgeplagtem Alltag, den Traum des Rückzugs an einen Ort mit zwischenmenschlicher Qualität. Hewerdine klingt dabei immer wieder nach britischen Pop-Helden der Vergangenheit: Prefab Sprout und Aztec Camera, vielleicht sogar ein wenig McCartney oder Jeff Lynne’s ELO. Boo Hewerdine ist Musiker, und er kennt die klassische Song-Syntax des Pop wie seine Westentasche.

Wenn Hewerdine persönlich wird, wie im Song "A Letter To My Younger Self", dann beschleicht den Hörer ein Gefühl der Verbundenheit. Denn jeder 50+-Generationsgenosse kennt das Gefühl: Den Abstand zur eigenen Jugend neu zu vermessen. Wehmut ist dabei nur schwer abzuwehren, denn wo sind sie geblieben, die Jahre. Musikalisch klingt das bei Boo Hewerdine frisch und vital, denn ihm macht sein Job immer noch Spaß. Und zum Blick zurück gehört hier auch die Erinnerung an die erste Band, an all die Stunden im Übungsraum, die vielen billigen Gitarren und alten Autos, die Misserfolge, die vielen gerissenen Saiten.

Ironische Distanz zu sich

Und auch die allgemein kulturellen Prägungen der Jugend kommen in diesen Songs zum Tragen. Zum Beispiel das Fernsehen, das auch für den britischen Jahrgang 1961 nicht selten aus amerikanischen Bildern bestand. Serien und Filmen, die eine große und weit entfernte Welt ins kleine Heim brachten. Sie transportierten die Klänge und Träume der Jugend. Es ist die Kunst des Songwriters Boo Hewerdine, auch altbekannte Muster mit neuen Kniffen und Perspektiven zu bereichern. Wie im Song "Voice Behind The Curtain" über all die Menschen im Hintergrund, die nie einen Platz im Spotlight bekommen und dennoch ein wertvolles Leben leben. Ein wenig Pathos erlaubt sich Hewerdine dann, aber nicht zu viel. Denn in gewisser Weise singt dieser Meister des Understatement und der ironischen Distanz auch über sich selbst. Als einer der ewig Unterschätzten im großen Pop-Geschäft.

Boo Hewerdine: Swimming In Mercury [3:35 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. August, 11:40 Uhr.

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