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Beratung für Suizid-Gefährdete

Hilfe per Mail und auf Augenhöhe

22. August 2017

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen in Deutschland. Im Jahr 2015 nahmen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 531 Menschen unter 25 Jahren das Leben. Die Caritas im Emsland will nun etwas dagegen unternehmen. Sie hat unter dem Namen U25 die niedersachsenweit erste Online-Beratung für suizidgefährdete Jugendliche gestartet.

Screenshot U25-Deutschland [Quelle: U25-Deutschland]

Bei U25 können Jugendliche und junge Erwachsene per E-Mail um Hilfe bitten und zwar kostenlos und anonym. Beraten werden sie dann ebenfalls per E-Mail und zwar von Gleichaltrigen. Reporterin Marlena Maerz hat die Ehrenamtlichen in Haren im Emsland besucht und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert die Online-Beratung?

Ziemlich unkompliziert: Die Jugendlichen können über die Internetseite von U-25 eine E-Mail schreiben. Darin können sie zum Beispiel all ihre Probleme schildern. Und diese E-Mail wird dann von einem Ehrenamtlichen beantwortet. Meistens ergibt sich daraus ein längerer E-Mail Kontakt.

Das Ganze ist anonym. Und das ist auch wichtig, hat mir Katrin Warstat erklärt, die das Projekt im Emsland betreut:

Die Anonymität befreit, weil man sich in dem Moment keine Gedanken darüber machen muss, ob ich verurteilt werde oder denkt jemand schlecht über mich oder hat das irgendwelche Konsequenzen, was ich sage. Sondern man kann einfach mal von der Leber weg erzählen, warum es mir schlecht geht und warum ich Suizidgedanken habe.

Hinzu kommt: Eine E-Mail zu schreiben fällt Jugendlichen oft leichter als in eine Beratungsstelle zu gehen. Das zeigt sich auch an der Nachfrage. Die ist nämlich ziemlich groß. Insgesamt gibt es zehn Standorte von U-25  in Deutschland. Und bis auf den Standort im Emsland, der ganz neu ist, sind alle komplett ausgelastet.

Warum beraten bei U25 junge Leute?

Junge Leute sind an den Problemen ihrer Altersgenossen einfach näher dran als Erwachsene. Die gehen zum Beispiel vielleicht selber noch zur Schule und wissen, wie es ist, wenn es da nicht läuft.  Das ist die Idee, die grundsätzlich dahintersteckt. Katrin Warstat, die das Projekt im Emsland betreut, erklärt:

Wenn man schon ein bisschen Lebenserfahrung hat, dann denkt man manchmal bei den Problemen der jüngeren Leute, das es nicht so dramatisch ist. Aber für die jungen Leute ist das in dem Moment so lebensbedrohlich, dass sie da alleine nicht mehr drüber hinwegkommen.

Und dann hilft Reden und Zuhören. Das bietet U25 – nur eben per E-Mail.

Das klingt nach einer ziemlich verantwortungsvollen und nicht gerade einfachen Aufgabe für die Ehrenamtlichen. Wie gehen die jungen Leute denn damit um?

Ich habe mich mit den Ehrenamtlichen im Emsland getroffen. Dort gibt es insgesamt neun junge Erwachsene, die bei U25 mitmachen. Und sie haben sich ziemlich gründlich vorbereitet. Sie haben vier Monate lang einen Kurs besucht und dort beispielsweise etwas über psychische Erkrankungen und Traumata gelernt. Und sie haben gelernt, wie sie die E-Mails von verzweifelten Altersgenossen beantworten. Ich habe mich dort länger mit Julia unterhalten. Julia ist 22 und sagt: "Für mich ist das eine Herzensaufgabe." Die jungen Leute werden mit dieser Aufgabe nicht alleine gelassen. Sie treffen sich alle zwei Wochen mit ihrer Betreuerin, um sich auszutauschen.

Das Emsland ist der zehnte Standort von U25 in Deutschland. Weshalb wurde der neue Standort denn gerade im Emsland eröffnet?

Gestartet ist U25 vor mehr als 15 Jahren in Freiburg. Vor fünf Jahren hat die Caritas angefangen, weitere  Standorte zu eröffnen, zunächst in Berlin, Hamburg, Dresden und Gelsenkirchen. Bislang gab es U25 allerdings eher in Städten. Das Emsland ist der erste ländliche Standort. Der Caritas war es wichtig, Ehrenamtliche auf dem Land auszubilden, hat mir Katrin Warstat gesagt:

Die wissen auch, wie ist es auf dem Dorf groß zu werden, wo jeder alles mitkriegt. Und die können dann auch nochmal sensibler Leute vom Dorf beraten und haben ein anderes Verständnis als zum Beispiel Stadtkinder.

Für die neun jungen Erwachsenen aus dem Emsland geht es jetzt richtig los. Allein in den ersten vier Stunden, in denen die Seite von U25-Emsland online war, haben sich fünf Hilfesuchende gemeldet.

Hier gibt es Hilfe:
U25 Deutschland

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. August 2017, 15:10 Uhr

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