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Bremer Ex-Theaterintendant

Klaus Pierwoß ist 75

29. August 2017

Streitbar, unerschrocken und unorthodox – so kennt man Klaus Pierwoß. Er war 13 Jahre lang Intendant des Bremer Theaters. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag. Wir sprechen mit Lore Kleinert, Theaterkritikerin in Bremen und ehemalige Leiterin der Kulturredaktion bei Radio Bremen, über die Bedeutung, die Klaus Pierwoß für Bremen hatte.

Klaus Pierwoß [Quelle: Radio Bremen, Ute Hanefeld]
Klaus Pierwoß [Quelle: Radio Bremen, Ute Hanefeld]

Klaus Pierwoß wird 75 Jahre [6:22 Minuten]

Gute Zeiten am Theater mit dem Mann aus Köln

Klaus Pierwoß wurde am 29. August 1942 in Berge geboren. In der Hansestadt war er von 1994 bis 2009 Intendant des Bremer Theaters. In dieser Zeit machte er das Haus zum überregional bekannten Erfolgstheater. Als Klaus Pierwoß 1994 von Köln nach Bremen kam, musste er nach der etwas chaotischen Zeit von Hansgünther Heyme Ordnung ins Theaterhaus bringen. Heyme hatte schon nach zwei Jahren das Handtuch geworfen und "ziemlich verbrannte Erde hinterlassen", erzählt Lore Kleinert. Ebenso wie der Nachfolger von Pierwoß, Hans-Joachim Frey, "leider dann auch wieder".

Ein besonderes Schicksal dieses Generalintendanten Pierwoß, dass vor ihm und nach ihm dann eher Zwerge kamen.

Tolles Team und große Talente

Pierwoß habe zwar nicht alles anders, aber "er hat alles sehr gut gemacht. Er hat unglaublich gute Leute nach Bremen geholt", darunter Konstanze Lauterbach, Andrej Woron, Thomas Bischoff und Rosamund Gilmore, so Kleinert weiter. Er hatte ein tolles Dramaturgen-Team und sein Führungsstab bestand aus Leuten, die später selbst große Theater leiteten, zum Beispiel Joachim Luchs, der seit 2009 als Intendant am Thalia Theater in Hamburg arbeitet.

Er hatte auch ein großes Gespür für Talente, für gute Mitarbeiter und hat es immer geschafft, sie wunderbar zusammenzuhalten – auch die Schauspieler. Das war wirklich ein Ensemblegeist, wie man`s selten hat.

Ein streitbarer Kämpfer

Er hatte ja unglaublich viel auszustehen in Bremen, viele Finanzkrisen... Er war ein Kämpfer, davon zeuge auch ein Bild in seinem Büro mit zwei Boxhandschuhen, auf denen stand: Faust I und Faust II, damit habe er sich auch ablichten lassen. Auch sein Radelauftritt zusammen mit Bürgermeister Henning Scherf, und sein Garderobentausch mit Otto Rehagel, für den er sich in ein Werdertrikot gezwängt habe, sei Ausdruck eines Theatermannes,

...der alles nutzte um sein Theater nach vorne zu bringen, um es bekannt zu machen, um es auch vertraut zu machen.
Lore Kleinert [Quelle: Radio Bremen, Braño Tomanik]
Lore Kleinert [Quelle: Radio Bremen, Braño Tomanik]

Aber wenn es um gemeinsame Projekte ging, habe man schon aufpassen müssen. Er hätte gerne Radio Bremen als PR-Abteilung seines Theaters in Beschlag genommen... Bei negativen Theater-Rezensionen aus der Kulturredaktion hingegen sei er großzügig gewesen. "Aber bei Problemen wollte er, dass man neben ihm stand, dass man für ihn und sein Theater kämpfte." Ein sehr schöner Zug, so Lore Kleinert:

Er war zwar auch rauhbeinig, aber ich mochte das.

Pierwoß habe in der Stadt einen Geist hinterlassen, der zeige, dass es auch möglich sei, gegen unzumutbare Dinge zu kämpfen und zu widerstehen.

Provokante Rede

2016 war Pierwoß in Bremen, anlässlich des 100. Geburtstags von Kurt Hübner. In seiner Rede in der Bremer Bürgerschaft hat er sich auch zu seinen Nachfolgern geäußert. Da hieß es: Die Intendanten von heute wären ihm zu angepasst, zu uniform, sie seien Erfolgsopportunisten. Entgegen dieser Kritik habe der aktuelle Intendant Michael Börgerding das Theater gut wieder nach vorne gebracht, sagt Lore Kleinert. Aber Klaus Pierwoß, der inzwischen gesundheitlich angeschlagen sei, könne stolz auf seine Arbeit sein.

Verdienste für Bremen

Aufgehört habe Pierwoß, weil er die ewigen Streitereien leid war. Er war stolz, acht Kultursenatoren überlebt zu haben, wie er selbst einmal geäußert habe.

Ich denke, er kann vor allem auch stolz darauf sein, wie er das Gesicht dieser Stadt geprägt hat.

Dazu gehört der Goetheplatz, wo man heute wunderbar sitzen, etwas essen und trinken könne. Das sei der Verdienst von Klaus Pierwoß, der an diesem Platz, direkt am Theater, ein Café und Restaurant haben wollte, erinnert sich Lore Kleinert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. August 2017, 11:10 Uhr

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