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Studie der Pflegekassen

Schlechte Pflege in Bremer Heimen?

23. August 2017

Die Bremische Bürgerschaft diskutiert in einer aktuellen Stunde über das Thema Pflege. Der Anlass: Die medizinische Versorgung in Bremer Heimen ist so schlecht wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer Studie hervor, die vom Verband der Pflegekassen initiiert wurde. Einer der Hauptgründe nach Meinung von Pflegeberufsverbänden: Das Personal hat zu wenig Zeit. Und die Heimaufsicht, die dem Sozialressort untersteht, kontrolliert nicht genug. Ein Gespräch mit Heidrun Pundt, sie ist Vorstand beim Bremer Pflegerat.

Altenpflegerin beugt sich über eine alte Dame im Rollstuhl [Quelle: Radio Bremen]
Es gibt viel zu wenig Personal in Bremer Pflegeheimen.

Bremen Zwei: Frau Pundt, wo liegen die Probleme?

Heidrun Pundt: Pflegestellen können nicht besetzt werden, der Pflegemarkt ist absolut leergefegt, es gibt null Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen. 

Bremen Zwei: Viele wollen gar nicht mehr in die Pflege. Liegt es an der schlechten Bezahlung?

Heidrun Pundt: Nein. Die Arbeitsbedingungen sind im Lauf der Zeit immer schlechter geworden. Es gibt keine verlässlichen Dienstpläne; weil nicht alle Stellen besetzt sind, sind Dienstpläne einfach nur noch Not-Dienstpläne. Sobald jemand krank ist, müssen Lücken gestopft werden und man muss einspringen, auch wenn man eigentlich einen freien Tag hat.

Bremen Zwei: Warum ist es so schwer, sich beim Pflegegesetz zu einigen?

Heidrun Pundt: Das liegt auf der einen Seite daran, dass im sozialen Bereich, in der Pflege, die Finanzierung anders als im Krankenhaus ist – es wird ein Eigenanteil gezahlt. Und bei den Pflegesatzverhandlungen kriegen es die Heime oft nicht hin, kostendeckende Pflegesätze zu erreichen. Und wenn Pflege teurer wird, zahlt am Ende der zu Versorgende selbst, weil der Eigenanteil steigt.

Bremen Zwei: Was ist noch wichtig?

Heidrun Pundt: Niemand kontrolliert die Qualität der Versorgung. Es gibt zwar allgemeine Richtlinien und pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, aber die Resultate und Empfehlungen werden nicht umgesetzt. Der Pflegebereich ist Marktstrukturen unterworfen. Und das ist sehr schwierig.

Bremen Zwei: Das ist eine deutliche Kritik am Sozialressort. Wie reagieren die darauf?

Heidrun Pundt: Wenn man überhaupt eine Antwort bekommt, bekommt man sie spät. Die Verbände oder der Bremer Pflegerat werden erst ganz am Ende oder gar nicht mit einbezogen. Wir würden gern unsere Expertise mit einbringen.

Bremen Zwei: Wenn in der Bürgerschaft diskutiert wird, was wäre das beste Ergebnis?

Heidrun Pundt: Wenn die realistische Situation betrachtet wird – und zwar aus der Sicht der zu Versorgenden, der Heimbewohner und Patienten. Und dass es möglich ist, am Bedarf orientierte Perspektiven zu entwickeln, zu gucken, was sind die pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse? Welche Empfehlungen werden dort gegeben? Und dann zu gucken: Wie können wir das in Bremen und Bremerhaven umsetzen?

Das Gespräch führte Anja Goerz.

Dies Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. August 2017, 6:45 Uhr

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