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Documenta 2017

Von Athen gelernt?

17. Juli 2017

Ungläubiges Staunen, ja Schock – so sah die Reaktion vor rund drei Jahren aus, als bekannt wurde, dass die alle fünf Jahre in Kassel stattfindende "Weltkunstausstellung" Documenta 2017 in Athen stattfinden würde, um erst danach auch in Kassel ihre Tore zu öffnen. War das Konzept erfolgreich? Silke Hennig mit einer Bilanz.

Maßstabsgetreue Replik des Athener Pantheons von Marta Minujin [Quelle: Imago, Hartenfelser]

Im April war es dann soweit – unter dem Motto "Learning from Athens" ("Von Athen lernen") startete die Documenta 14 als Ausstellung "in zwei Akten" zunächst in Athen. Anfang Juni ging es dann in Kassel weiter, und jetzt ist Schluss in Athen. Gestern war der letzte Tag.

Athen: Wiege westlicher Kultur und Demokratie – und in jüngster Zeit Synonym für Dauerkrise. "Das waren alles Gründe für die Documenta 14 hierherzukommen. Hunderttausende Kunstinteressierte sind ihr in den letzten Wochen gefolgt. Die Documenta müsse dahin gehen, wo es weh tue, hat ihr künstlerischer Leiter, der Pole Adam Szymczyk, gesagt – und die Parole "Learning from Athens" ausgegeben", so Redakteurin Silke Hennig im Nordwestradio.

Kunstausstellung als Touristen-Tour

Das Konzept brachte ihm nicht wenig Kritik ein. Was sollte es in Athen zu lernen geben? Man solle die Ausstellung als Geographie sehen, lautete Szymczyks Empfehlung: Nicht vor allem die großen Ausstellungsorte ansteuern, sondern sich Gegend für Gegend vornehmen. Es galt schließlich 47 Plätze mit Exponaten zu sehen. Kleine, große, entfernt oder naheliegend: Egal, alles gleich wichtig.

"Die Besucher fuhren zum Beispiel mit der U-Bahn kreuz und quer durch die Fünfmillionenstadt, blickten müden Athenern ins Gesicht und liefen sich selbst die Füsse platt, um zu einem marmornen "Zelt" auf einem Hügel gegenüber der Akropolis zu gelangen oder in einem Industrieviertel eine nigerianische Künstlerin zu finden, die Seifen herstellt", so Hennig. "Auch wenn es im Einzelnen oft unverständlich blieb – wie die vom Aussterben bedrohten Sprachen, die die Britin Susan Hiller in einem dunklen Kinosaal erklingen ließ – die Botschaft, wie viele verschiedene Stimmen es in dieser Welt gibt, wie viele verschiedene Ausdrucksformen, über die eine Mehrheit beständig hinweghört und -sieht, das wurde in Athen sehr deutlich".

Ungläubiges Staunen, ja Schock - so sah die Reaktion vor rund drei Jahren aus, als bekannt wurde, daß die alle fünf Jahre in Kassel stattfindende 'Weltkunstausstellung' Documenta 2017 zuerst in Athen und dann in Kassel stattfinden würde. War das Konzept erfolgreich? Silke Hennig zieht eine Bilanz.

Autor/-in: Silke Hennig
Länge: 3:41 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Aktienkurse und Volkslied als Exponat

In Athen fehlten natürlich auch Verweise auf die Finanzkrise nicht. Eine Installation des Nigerianers Emeka Ogboh, dem aktueller Träger des Bremer Kunstpreises der Böttcherstraße, brachte das auf den Punkt: Im rohen Betongehäuse eines nie vollendeten Konzertsaals des Athener Konservatoriums liefen über ein zentrales LED-Anzeigenband die Kurse des Weltaktienindex, während gleichzeitig die polyphonen Klänge eines griechischen Volkslieds den dunklen Raum erfüllten: Alismono Kai Xerome lautet sein Titel – 'Wenn ich vergesse, bin ich froh".

Wie wird man diesen Athener Teil der Documenta14 erinnern? Als kalkulierte Überforderung !

"Niemand sollte hier mit dem Gefühl wieder wegfahren, den Überblick zu haben. Stattdessen unzählige Seitenblicke – auf die Kunst, auf die Welt, auf Athen. Die Documenta-Besucher sahen ja wie nebenbei auch Armut und Reichtum und Orte, wo Touristen sonst nicht hingeraten", sagt Silke Hennig. Sie sahen eine Stadt mit viel Leerstand und entsprechend niedrigen Immobilienpreisen. Widersprüche jedenfalls bot sie zuhauf, die Documenta in Athen – bis hin zu ironischem Frosch-Gequake mitten in der Stadt.

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 17. Juli, 07:35 Uhr.

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