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Interview mit Manal al-Sharif

Eine Rebellin am Steuer

6. Oktober 2017, 18:10 Uhr

Endlich dürfen Frauen in Saudi-Arabien selbst Auto fahren. Die Aktivistin und Frauenrechtlerin Manal Al-Sharif hat sehr lange dafür gekämpft und saß dafür sogar kurz im Gefängnis.

Manal Al-Sharif [Quelle: Maha Nasra Eddé]

Interview mit Manal al-Sharif [7:58 Minuten]

Als Manal al-Sharif sich im Jahr 2011 trotz des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien ans Steuer setzte und ein Video davon auf Youtube veröffentlichte, kam sie ins Gefängnis. Neun Tage saß Manal al-Sharif in einer Zelle, bevor sie befreit wurde. Sie sei sehr wütend darüber gewesen, sagt Manal al-Sharif. Umso glücklicher sei sie jetzt, nachdem das Fahrverbot Geschichte ist und sich ihr Kampf gelohnt habe.

Nachdem sie Todesdrohungen erhalten hat, musste die Aktivistin Saudi-Arabien verlassen. Jetzt lebt sie in Sydney, Australien. Auch dort fährt sie natürlich Auto. Eine komische Sache sei, dass ihr das Autofahren eigentlich wenig Spaß mache, erzählt al-Sharif lachend. Sie fahre lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das sei entspannter und besser für die Umwelt.

Kampf für Frauenrechte geht weiter

Nachdem das Autofahren in Saudi-Arabien jetzt endlich erlaubt ist, hofft Manal al-Sharif, dass die männliche Vormundschaft für Frauen auch bald abgeschafft werde. Jede Frau in Saudi-Arabien hat einen männlichen Vormund. Sie brauchen die Zustimmung ihres Vormundes bei vielen Entscheidungen, zum Beispiel, wenn sie zur Schule gehen wollen. Gegen dieses System kämpft die Kampagne "My Right to Dignity" ("Mein Recht auf Würde"). Frauen sollen endlich als vollwertige Bürger in ihrem Land wahrgenommen werden, fordert al-Sharif. Der Kampf um gleiche Rechte für Frauen sei aber nicht nur ein Thema in der islamischen Welt, es sei ein globales Problem, das auch global angegangen werden müsse, so al-Sharif.

Ein Buch über den "Aufstand im Auto"

Manal al-Sharif hat ein Buch über ihren "Aufstand im Auto" geschrieben, es heißt "Losfahren". Darin erzählt sie unter anderem von den Repressalien, die sie als Mädchen und Frau in Saudi-Arabien erlebt hat. Trotzdem fahre sie aber immer wieder in ihre Heimat zurück und plane, in Zukunft auch wieder dort zu leben, erzählt sie.

Ihr Buch ist für sie das erste Werk, in dem eine saudi-arabische Frau einen intimen Einblick in ihr Leben gibt. Das habe sie auch genauso geplant – denn damit wolle sie andere Frauen ermutigen, ihre Stimme öffentlich zu erheben. Sie könne nicht für andere Frauen sprechen, aber sie könne mit gutem Beispiel vorangehen und eine Tür für sie aufstoßen, um ihre Geschichten zu erzählen. Das sei der einzige Weg, um eine Veränderung in der Gesellschaft anzustoßen, ist sich die Aktivistin sicher.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. Oktober, 18:10 Uhr.

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