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Glosse

Die Kunst der Panda-Diplomatie

23. Juni 2017

Früher war die weiße Taube auf blauem Grund das Symbol des Friedens. Doch jetzt tut sich ein ganz anderes Tier hervor, das sich viel besser eignet. Detlev Gröning über China, Diplomatie und den Riesenpanda.

zwei Riesenpandas [Quelle: Imago, Xinhua/Pei Xin]
Diplomaten im Anmarsch: Diese beiden Riesenpandas zeigen den Berliner Neubürgern Jiao Qing und Mengmeng, wie's geht. [Quelle: Imago, Xinhua/Pei Xin]

Pandas: Eine perfekte Kuschel-Diplomatie [2:30 Minuten]

Irgendwie ist er ja doch ein knuffiger Typ, der Chinese. Gut, vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig in seinem Herrschaftsverständnis, ein wenig nachlässig beim Thema Bürgerrechte und, ja, wohl auch eine Spur zu drakonisch mit seinen ständigen Hinrichtungen. Aber wenn er nur so dasitzt und aus den Kulleraugen mit dem schwarzen Passepartout in die Landschaft schaut oder stillvergnügt an einem Eukalyptusblättchen knabbert, dann kann man doch gar nicht anders als vergeben und vergessen.

Bereits ein einziger Panda entfaltet ja mehr diplomatisches Gewicht als ein Außenminister und drei Wirtschaftsdelegationen zusammen. Und das im Grunde zum Schnäppchenpreis: eine Million Leihgebühr pro Jahr im Doppelpack. Für das Geld kriegen Sie nicht mal Jogis Perspektivkader vom Confed Cup.

Frieden durch Pandabären

Detlev Gröning [Quelle: NDR, Ralf Bukowski]
Detlev Gröning [Quelle: NDR, Ralf Bukowski]

Überhaupt muss man sich wundern, warum Berlin den Zuschlag bekommen hat und nicht etwa München, das sich wohl nicht überlegt hat, was wohl besser zu vermarkten ist – wenn ein Panda im Baum oder wenn Gnabry auf der Bank sitzt. Ärgerlich nur, dass dieses politisch wichtigste Tier ausgerechnet in China lebt, das die schwarz-weißen Konfliktlöser nur spärlich ausreisen lässt. Vermutlich könnte bereits ein Dutzend Pandas, militärstrategisch verteilt, den gesamten Mittleren Osten befrieden. Wer will auf diese putzigen Gesellen ernsthaft eine Fassbombe werfen?

Ich möchte ja nicht wissen, wie viele Stunden Angela Merkel unter ihrer Nachttischlampe in "Brehms Tierleben" geblättert hat, ob sich in der deutschen Fauna etwas Vergleichbares findet, was man einem tobenden Erdogan zusenden könnte, damit der die Grenzen dicht hält. Oder was man anstelle von Eulen nach Athen tragen könnte, wenn Schäuble mal wieder jegliche Schuldenschnitte vom Tisch doziert hat. Einfach einen Seehund in die Post zu geben wird nicht reichen; der erfüllt zwar das Kindchenschema, ist aber einfach nicht selten genug.

Einhorn oder Schäferhund?

Optimal wäre natürlich ein tischhohes Einhorn in blass-rosa mit Regenbogen, das sich aber nicht nur nicht auftreiben lässt, sondern auch in anderen Staaten als Sympathieträger Verwendung findet. Als unverkennbar deutsch könnte man am ehesten den Schäferhund aufs diplomatische Parkett schicken, der aber von der gewünschten Welpen-Niedlichkeit rasch in eine gesprächsverhärtende Obersalzberg-Optik hineinwächst.

An diesem Punkt sind deutsche Zuchtverbände gefordert, ein international wettbewerbsfähiges Tier auf die Beine zu stellen, das es mit der chinesischen Konkurrenz aufnehmen kann und beim zoologischen Austausch nicht sofort auf dem Grill landet. Einen Namen hätte ich schon: "Flauschiger Fachwerkschnuckel" – eine Kreuzung aus Deichlamm und Eichhörnchen.

Da würden die Pandas aber Augen machen!

Dies Thema im Programm: Nordwestradio, 23.06.2017, 8:45h

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