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Studie zum Wahlverhalten

Ein Riss durch die Demokratie?

Die Bertelsmann-Stiftung hat in ihrer jüngsten Studie das Wahlverhalten von unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gruppen untersucht. Haupterkenntnis: Die Konfliktlinie zwischen sogenannten Modernisierungsbefürwortern und -skeptikern wird stärker. Was bedeutet das genau? Dazu Holger Lengfeld, Professor für Soziologie.

Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrieren am 16.10.2016 auf dem Theaterplatz in Dresden (Sachsen). [Quelle: DPA, Oliver Killig]
Nicht alle Menschen in Deutschland sind mit der Politik zufrieden. [Quelle: DPA, Oliver Killig]
Die neue Konfliktlinie in unserer Demokratie verläuft zwischen Modernisierungsskeptikern auf der einen Seite und Modernisierungsbefürwortern auf der anderen Seite. Sie verläuft wie ein diagonaler Riss durch unsere Gesellschaft, mitten durch alle gesellschaftlichen Milieus.

Zu dieser Haupterkenntnis kommt Robert Vehrkamp in seiner Studio für die Bertelsmann Stiftung. Gerade im Kampf um die bürgerliche Mitte mache die AfD der CDU und CSU Konkurrenz um potentielle Wähler.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammengefasst.:
Bertelsmann-Studie zum Wahlverhalten [3:03 Minuten]

Wer sind die Modernisierungsbefürwortern und -skeptiker?

Was steckt hinter diesen Begriffen und was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Ein Modernisierungsskeptiker sei grundsätzlich der Auffassung, dass die Entwicklung unserer Gesellschaft in die falsche Richtung geht, erklärt Holger Lengfeld, Professor für Soziologie an der Universität Leipzig. Es gebe Veränderungen, die der Modernisierungsskeptiker kritisiere. Zum Beispiel sei er im kulturellen Bereich mit der Aufnahme von Flüchtlingen, der Abschaffung der Wehrpflicht und der Ehe für alle nicht einverstanden.

Modernisierungsbefürworter dagegen unterstützen genau diese Entwicklungen. Sie wünschen sich mehr Liberalisierung in der Gesellschaft, mehr Hilfe für Flüchtlinge und mehr Berücksichtigung von Andersartigkeit, auch in den Lebensformen, so Holger Lengfeld.

Eigene Studie zum Wahlverhalten

Holger Lengfeld hat sich in den letzten Monaten intensiv mit der Frage beschäftigt, wer die AfD unterstützt: Grundsätzlich sei er zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, wie die Bertelsmann-Studie. Der Wahlerfolg der AfD sei nicht allein ein Ergebnis des Umganges mit der Flüchtlingskrise. Die Kritik einiger Menschen in Deutschland an der gesellschaftlichen Entwicklung sei viel umfassender. Und diese Kritik sei auch nicht neu, sondern habe sich in den letzten zehn Jahren aufgebaut.

Wo ich mit der Bertelsmann-Studie nicht einher gehe, ist, dass der Riss durch die Mitte verläuft.

Es gebe nicht zwei Hälften, sagt der Professor für Soziologie. Der Teil der Modernisierungsskeptiker sei deutlich kleiner als die Hälfte der Gesellschaft und artikuliere sich jetzt in der AfD-Wahl. Es gebe eine neue Konfliktlinie in Deutschland, aber diese zerreiße nicht die Gesellschaft in der Mitte. "Hier würde ich ein bisschen vor Dramatisierung warnen", so Lengfeld.

Neuer Riss in der deutschen Demokratie? [4:26 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. Oktober, 6:20 Uhr und 7:10 Uhr..

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