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Ingeborg-Bachmann-Preis

Gefürchtet und geliebt

Gespräch mit Thomas Böhm

10. Juli 2017

Die Jury hat sich entschieden: Ferdinand Schmalz gewinnt den Bachmannpreis 2017. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Der Amerikaner John Wray gewann den in diesem Jahr zum ersten Mal vergebenen Deutschlandfunk-Preis in Klagenfurt.

Ferdinand Schmalz [Quelle: Deutschlandradio, Kolja Mensing]
Ferdinand Schmalz, der Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2017 [Quelle: Deutschlandradio, Kolja Mensing]

Ferdinand Schmalz erhält Ingeborg-Bachmannpreis [4:05 Minuten]

Starke Nerven und einen guten Text, das sollten die Kandidaten für den Lesemarathon in Klagenfurt im Gepäck haben. 14 Autoren aus sechs Ländern waren eingeladen zu diesem Festival, das an die Autorin Ingeborg Bachmann erinnert, die 1973 gestorben ist. Literaturkritiker Thomas Böhm hat den Wettbewerb verfolgt:

Es gab selten Jahre, in denen man sich so einig war. Es war ein sehr starker Wettbewerb. Und mit dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Schmalz hat wirklich der stärkste Text gewonnen.

In seinem Text unter dem Titel: "Mein Lieblingstier heißt Winter" geht es um einen Eiswagenfahrer, der einem Krebskranken Sterbehilfe leisten soll.

Der Text ist wirklich ein Sprachereignis, ein Denkereignis, ein Coup. Und der Text wird heute natürlich in allen Zeitungen zu Recht sehr gefeiert.  

Ungewöhnliches Prozedere

Das Besondere an den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt ist vor allem das Wie. 14 Autoren aus sechs Ländern waren eingeladen zu diesem Festival, das an die Autorin Ingeborg Bachmann erinnert, die 1973 gestorben ist. Die Reihenfolge der ausgewählten Autorinnen und Autoren wird ausgelost, sie lesen nicht nur ihre Texte, sondern bekommen auch direkt im Anschluss das Urteil der Jury.

Den Wettbewerb sollte man nicht zu ernst nehmen, ein bisschen Selbstironie sei wichtig, sagt Thomas Böhm. Es passiere aber doch immer wieder, dass manche Autorinnen oder Autoren das nicht verkraften und noch Jahre später davon sprächen, wie sie in Klagenfurt zu Unrecht verloren hätten.

Große Themen, lebendige Literatur

Es gab viele Themen im Wettbewerb, unter anderem einen über den Alltag eines Migranten, aber auch abseitiges wie ein Text über eine erotische Liebesbeziehung zu einem Haus. Beim Blick auf die Vielzahl der Texte und Themen, die dieses Jahr vorgetragen worden sind, falle deren Qualität und das, was sie zur Sprache gebracht haben, auf. Und darum gehe es ja auch in der Literatur, erklärt Böhm:

Dinge, die uns umgeben zu versprachlichen und so verstehbar und sagbar zu machen.

Der Wettlese-Wettbewerb sei zeitgemäß, auch weil die Texte wichtig seien, Diskussionen anstießen, und im besten Sinne weltbewegend seien.

Sieben Menschen, die Kritiker, setzten sich mit Argument und Gegenargument ganz sachlich mit einer Sache auseinander und ganz ausführlich... Das ist so etwas wie das Idealmodell von Literatur – und das finde ich höchst zeitgemäß.

Ferdinand Schmalz gewinnt Ingeborg Bachmann-Preis [6:57 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, Der gute Morgen, 10. Juli 2017, 8:10 Uhr

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