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Auswandererhaus Bremerhaven

Fluchtgeschichten im "Studio Migration"

12. Mai 2017

Angst in Neugierde verwandeln. Das ist ein Ziel des Auswandererhauses Bremerhaven. Es ist das einzige Museum hierzulande, das sich dem Thema Flucht widmet. Die Geschichte von Auswanderern wird nicht nur dokumentiert, sondern anschaulich inszeniert. Vor kurzem eröffnete das "Studio Migration", in dem Besucher von ihren Erfahrungen mit Flucht und Auswanderung berichten können.

Schild "Studio Migration" [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]
Das Studio MIgration: ein Ort, um Fluchtgeschichten zu erzählen. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]

Im 19. Jahrhundert am Kai von Bremerhaven: Auswanderung bedeutet die Reise in die Ferne und ins Ungewisse. Unter der meterhohen Bordwand des Schnelldampfers "Lahn" im Auswanderermuseum in Bremerhaven sind Reisende aus unterschiedlichen Epochen versammelt. Sie alle brechen auf in ein fremdes Land. Dazu die Direktorin des deutschen Auswanderhauses Bremerhaven, Simone Eick:

Die waren risikobereit, das waren Abenteurer, die haben sich auf etwas eingelassen und etwas Neues entdeckt. Sobald man aber näher an das Heute und Jetzt kommt, wird das oft sehr angstbesetzt, der Umgang mit dem Thema Migration. Der Abstand fehlt, wenn man selbst betroffen ist.
stilisierte Weltkugel im Auswandererhaus Bremerhaven [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]
Das Auswandererhaus in Bremerhaven hat das "Studio Migration" eröffnet. [Quelle: Radio Bremen, Heinrich Pfeiffer]

Betroffen sind heutzutage viele, das Thema Flucht und Migration ist höchst aktuell. Das Studio Migration soll der gesellschaftlichen Debatte eine Plattform geben. "Der Unterschied zwischen den Fluchtgeschichten von damals und heute besteht in den Ursachen. Politische Verfolgung und Hoffnungslosigkeit durch den Krieg", so Museumsdirektorin Simone Eick. Bei einer politischen Flucht habe man vielleicht auch Unterstützer im Ausland oder bekomme vielleicht auch finanzielle Hilfen. Man könne zum Beispiel auch im Exil weiterhin innenpolitisch agieren. Das sei anders als zu fliehen, weil die Heimat zerstört wird, "wie zum Beispiel bei der syrischen Familie, die wir hier aufgenommen haben. Aleppo wurde tagelang, wochenlang zerbombt." 

Ziel: ein angstfreier Raum

Die zum Teil dramatischen Geschichten aus dem "Studio Migration" stehen am Ende der Ausstellung und ergänzen die Schicksale der frühen Auswanderer. Eine dieser Auswanderer-Geschichten handelt von Nino Olivier, er stammt aus einer italienischen Eismacherdynastie und übernahm 1974 das Geschäft seines Vaters in Wolfsburg. Für ihn zeigt sich seine Herkunft am Fußball.

Ich glaube, wenn man wissen will, wo das Herz von jemandem ist, dann nimm so einen Fußballspiel. Zum Beispiel, wenn ich ein Fußballspiel von Wolfsburg gegen Italien sehe, da bin ich Wolfsburger, egal gegen wen sie spielen. Aber wenn Italien gegen eine andere Mannschaft spielt, dann weiß ich genau, was ich bin.
Die Leiterin des Auswandererhauses Bremerhaven Simone Eick [Quelle: Radio Bremen/Mario Neumann]
Simone Eick, Leiterin des Auswandererhauses Bremerhaven [Quelle: Radio Bremen/Mario Neumann]

Im Studio Migration werden auch allerlei Daten, Zahlen und Fakten präsentiert. Denn insbesondere Zahlen können beim Thema Migration Ängste schüren. Wie mit Zahlen und Statistiken manipuliert werden kann und tatsächlich auch wird, können die Besucher selbst in einem interaktiven Versuch erleben. Aber nicht nur die Angst vor Überfremdung werde thematisiert, so Museumsdirektorin Simone Eick.  

Bei den Mitgliedern der ethnischen Communities herrschen ganz andere Ängste: ganz große Angst vor Rassismus, vor gewalttätigen Übergriffen. All das zusammen hat bei uns dafür gesorgt, dass wir uns gefragt haben, wie wir hier einen angstfreien Raum schaffen können.

Das Studio Migration soll ein Ort der Kommunikation werden, das Ziel ist ein interkulturelles Bildungszentrum.

Studio Migration im Auswandererhaus [3:22 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 12. Mai 2017, 10:45 Uhr

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