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Eminem: Revival


Das Beste soll ja zum Schluss kommen. Mit "Revival" erscheint Eminems neuntes Album und damit eines der am heißesten erwarteten dieses Jahres. Der Anti-Trump-Freestyle "The Storm", den er im Rahmen der BET HipHop Awards im Oktober veröffentlichte, gab die Richtung bereits vor: Eminem liebt 'sein' Amerika. Aber definitiv nicht den, der es regiert.





Eigentlich gehört es ja schon fast zum guten Ton unter Künstlern und Musikern, die Stimme gegen Twitter-König Donald Trump zu erheben. In Anbetracht der Tatsache aber, dass Marshall Bruce Mathers III. aus dem Trailer Park als weißer Vorzeigerapper unter den Hip-Hoppern mit seinen Pöbeleien gegen Regierung und Establishment schon immer ein bisschen die Stimme des kleinen, weißen Mannes war, ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass er mit seiner Kritik – oder besser: mit seinem Hass – ein paar seiner Fans vor den Kopf stoßen wird. Aber die Zeiten ändern sich. Und mit ihnen auch Eminem: "Ich arbeitete über ein Jahr daran. Es ist eine Reflexion dessen, wo ich jetzt gerade stehe, aber ich wollte auch versuchen, vielfältiger zu werden." Das hört man "Revival" an.

Eminem ist politischer denn je. Im Song "Untouchable" beispielsweise schämt er sich dafür, weiß zu sein und bezieht damit offen Stellung zu Polizeigewalt und Rassismus in den USA. Persönlicher wird es in Stücken wie "Walk On Water", der ersten Single aus dem Album. Darin beschreibt er die Angst, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Oder in "River", zu dem Ed Sheeran den Refrain beigesteuert hat. Über den Singer/Songwriter-typischen Soundteppich aus Akustikgitarre und Klavier erzählen beide von einer gescheiterten Beziehung, die in Betrug und Abtreibung mündet.

Den wohl überraschendsten Moment hält jedoch "Bad Husband" bereit: Darin entschuldigt Eminem sich bei seiner Ex-Frau Kim dafür, so ein schlechter Ehemann gewesen zu sein. Vor ein paar Jahren wünschte er ihr noch den Tod, jetzt bittet er um Verzeihung. Das kommt überraschend, wie eigentlich alles auf dem Album. Angefangen beim Themenspektrum, über Sampleeinsätze wie "Zombie" von den Cranberries, über die Eminem sein eigenes "In Your Head" rappt, bis hin zu den Gastbeiträgen von Pink, Alicia Keys oder Beyoncé. Marshall Mathers hält auf "Revival", was er verspricht: Vielfalt.

Hörprobe: Bad Husband [38 Sekunden]




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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 18. Dezember 2017

Bremen Vier