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Auf ein Wort

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen

Von Jeannette Querfurth

1. Oktober 2017

Ein Mann wie ein Baum. Er strotzte vor Kraft und Vitalität. Er liebte das Leben und seinen Beruf. Er war mein Arzt. War mein Arzt…

Als ich vor ein paar Wochen in der Praxis einen Termin bei ihm ausmachen wollte, erfuhr ich, dass er gestorben ist. Einfach so. Mitten aus dem Leben heraus. Im Urlaub. Ohne jede Vorwarnung. Ich konnte es nicht fassen. Unvorstellbar. Ausgerechnet er. Dieses vor Leben sprühende Kraftpaket. Einfach nicht mehr da…

"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden" steht im 90. Psalm der Bibel. Dass wir sterben werden, eines unbekannten Tages, das wissen wir alle. Aber wahrhaben wollen wir es nicht so gerne. Ist ja auch kein schöner Gedanke. Lieber gar nicht dran rühren. Aber die Bibel sagt, dass es gerade klug macht, daran zu denken. Ich glaube, es ist auch klug, weil wir dann unser eigenes Leben ganz anders schätzen und unsere Zeit nutzen, wenn wir im Kopf haben, dass es nicht nur in weiter Ferne, sondern vielleicht jeden Tag zu Ende sein kann.

Bronnie Ware ist Krankenpflegerin. Sie hat viele Sterbende in ihren letzten Tagen begleitet. Und sie hat ein Buch darüber geschrieben, was Menschen ganz am Schluss am meisten bedauern. Auffällig ist, dass Menschen fast nie das bedauern, was sie getan haben, sondern fast immer das, was sie gerade nicht getan haben, was sie versäumten. Träume, denen sie nicht gefolgt sind oder Zeit, die sie nicht mit ihren Kindern und ihren Freunden verbracht haben.

Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Was würde ich also tun, wenn dies heute mein allerletzter Lebenstag wäre? Und was würden Sie tun?

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