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Auf ein Wort

Früher war (nicht) alles besser

Von Stefanie Lübbers

17. September 2017

Früher –  dieses Wort klingt für mich nach der Zeit mit Bundeskanzler Kohl und Bundespräsident von Weizsäcker. Der Name des Präsidenten stand sogar auf der Ehrenurkunde der Bundesjugendspiele meiner Grundschulzeit. Der Blick auf die Urkunde sorgte immer für so einen angenehmen Schauer. Ich fühlte mich durch den Namen auf dieser Urkunde irgendwie mit dem "großen Ganzen" verbunden. Heute erwische ich mich in Gesprächen mit Freundinnen dabei, dass mein Mund diesen Satz formt: "Früher war alles besser".

Es gibt Leute, die gerne auf Früheres schauen, in der Kirche, in der Politik in der Gesellschaft. Es gibt Menschen, die diesen Satz "Früher war alles besser" oft sagen. Was bedeutet es, wenn man sagt, dass früher alles besser war? Und fühlen sich die Leute heute weniger mit dem ‚großen Ganzen‘ verbunden als früher? An Vergangenes zu denken, das ich rückblickend als gut empfinde, kann mir Halt geben; Halt in einer Situation in der ich nicht gut sehen kann, was von vorne kommt oder woraus die Zukunft bestehen wird.

Aber kann dieser Rück-Halt nicht auch trügen? Vielleicht tut es gut, eine Spur tiefer zu schauen, zu fragen: was genau war früher gut? Warum zu jener Zeit? Welche negativen Seiten bedenke ich rückblickend nicht? Welche Bedingungen sind heute anders, so dass das, was mal besser war, heute nicht mehr gut sein würde? Dieser Rückblick kann auch unbequem sein. Es reicht dann nicht mehr, sich auf sein "Früher" zu berufen. Schließlich kann ich mich heute auch nicht mehr auf den Lorbeeren der Ehrenurkunde aus der Grundschulzeit ausruhen.

Gott ist ein Gott seit Ewigkeiten, also auch von früher, aber deshalb nicht "von gestern". Er ist Gott seit vielen Generationen. Einer der Gottesnamen lautet: "der Hochbetagte". Die biblische Überlieferung zeigt, dass er sich für den Bund mit den Menschen immer wieder etwas Neues einfallen lässt. Er ruht sich nicht auf Früherem aus. Er betrachtet die Schwächen seines Volkes und zeigt neue Wege auf. Er schlägt Gebote vor, von denen er überzeugt ist, dass sie dem Menschen zu einem gelingenden Leben helfen. Er ermutigt Propheten, das Volk anzusprechen und es in die Freiheit zu führen; so heißt es z.B. bei Jesaja: "Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?"

Schon kommt es zum Vorschein – merkt ihr es nicht? Wenn ich diesen Satz wiederhole, löst er einen angenehmen Schauer aus – so wie damals der Blick auf die Urkunde mit der Unterschrift des Bundespräsidenten. Dieser Satz fühlt sich an wie eine Urkunde für alle. Sie lädt jeden, der es liest dazu ein nach vorne zu schauen, Perspektiven zu entwickeln und die Zukunft zu gestalten.

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