Livestream

Bremen Eins Serien Auf ein Wort

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Auf ein Wort

Natur gestalten

Von Holger Gehrke

10. September 2017

Ich bin Torfkahnskipper! Immer mehr Menschen zieht es auf den Spuren von "Jan von Moor" hinaus auf die alten Gewässer in und um Bremen. Die meisten Fahrgäste genießen die Wasserwelt, die ihre Entstehung meist harter Arbeit früherer Generationen verdankt. Ich selbst bin auf diesen Gewässern groß geworden, weiß noch, wie sie früher aussahen und wie viele Boote auf ihnen bewegt wurden.

Heute regieren dort zunehmend Öde und Wildwuchs: durch Sperrung für Wassersportler verkrautet alles, Gewässer werden flach bis unschiffbar, Ufer wachsen dicht und Wehre und Schleusen zerfallen und werden mit Sand vollgekippt. Es entsteht alles andere als eine bunte Schöpfung, vielmehr Brombeergestrüppe und Unkrautwüsten; eingeschleppte Arten verbreiten sich unkontrolliert und ersticken die einstmals vielfältigen einheimischen. Dahinter steckt der ökologisch fragwürdige Gedanke, die Natur selbst walten zu lassen und den Menschen draußen zu halten. Das Ergebnis ist auf unseren Gewässern oft traurig anzuschauen.

Dabei wird schon in der biblischen Schöpfungsgeschichte erzählt, dass Gott dem Menschen die Natur zu Pflege und Nutzung übergab. Von "bebauen" und "behüten" ist dort die Rede. Wer sich aber nur noch durch Kraut- und Brombeerwüsten seinen Weg bahnen muss, wer seinen Fahrgästen nur noch erzählen kann, welche Gewässer früher von braunen Segeln bevölkert waren und heute gesperrt oder verlandet sind, der erntet mehr als nur fragende Blicke. Ganz anders in Holland. Dort ist auch heute noch der Mensch ein Teil der Natur, gestaltet, pflegt und nutzt sie. Bootsfahrer, auch mit Motor, sind überall gern gesehen und in großer Zahl anzutreffen. Und trotzdem blüht es, gibt es zahlreiche Fischarten im Wasser und Sehenswertes an den Ufern.

Seit ich nun jede Woche Torfkähne durch die wenigen noch erlaubten Gewässer steuere, frage ich mich, woran es liegt, dass bei uns nur noch Verbote und Auflagen, Erlasse und Sperrungen regieren, während die vermeintlich zu schützende Natur im Gegensatz zum Schöpfungsgedanken sich selbst überlassen wird. Ein gerüttelt Maß an schöpferischer Freiheit täte ihr und uns wahrlich gut!

Auf ein Wort
Mehr zur Beitragsreihe "Auf ein Wort"