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Auf ein Wort

Staus – und wie man sie nutzt

Von Sabine Kurth

16. Juli 2017

Ich wohne in Bremen-Nord, und wenn ich in diesen Wochen in die Bremer Innenstadt fahre, ist es nicht ganz leicht, von einem Ort zum anderen zu kommen. Die Baustellen sind gleichmäßig über die Stadt verteilt. Schleichwege sind anderen ebenfalls nicht unbekannt. Powerbaustellen sind wohl die ganz große Mode. Gerade wenn ich mich entscheide Bahn zu fahren – "zack" – Powerbaustelle am Hauptbahnhof. Statt dreißig Minuten plane ich schon eine Stunde ein, manchmal wird es auch noch länger.

Zunächst rede ich mir ein, alles nicht so schlimm. Die Musik im Radio ist fröhlich und zum Mitsingen. Die Moderatoren haben lustige Geschichten zu erzählen. Doch dann irgendwann werde ich nervös. Denke an all das, was ich in dieser Zeit hätte machen können. Bei dreißig Grad im Auto, mit lauwarmem Mineralwasser und den Abgasen der Autos rundherum kommt dann auch der eine oder andere Fluch über meine Lippen. Natürlich dezent. Doch alles hilft nichts. Ärgern, an die Decke gehen, fluchen – Stau bleibt Stau.

Nun habe ich in der letzten Woche eine neue Taktik entwickelt. Ich versuche, die Zeit des Wartens als geschenkte Zeit für mich zu begreifen. Ich bekomme Zeit, um einfach mal nichts tun zu müssen. Nur den Verkehr muss ich im Auge behalten. Ich bekomme eine Pause geschenkt. Ich bin nicht per Handy oder Mail zu erreichen. Auszeit mitten im Alltag.

In der Bibel heißt es: Alles hat seine Zeit. Nun wird die Stauzeit zu meiner persönlichen Zeitinsel. Da können meine Gedanken wandern, wohin sie wollen. In den letzten Tagen hat das jedenfalls schon ganz gut geklappt. Ich warte auch jetzt noch lange im Stau. Doch ich bin wesentlich entspannter, wenn ich denn endlich angekommen bin.

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