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Auf ein Wort

Gutes Leben

Von Propst Bernd Kösling

2. Juli 2017

Zu den ältesten Schriften der ethischen Literatur gehört die Nikomachische Ethik von Aristoteles. In diesem Buch beschäftigt er sich mit der Frage: Was ist "gutes Leben"?  Und wie gelange ich dorthin? Seit diese Frage in der Weltgeschichte aufgetaucht ist, hat sie Philosophen, Theologen, Politiker, Wissenschaftler und eigentlich jeden Menschen beschäftigt.

In diesen Tagen beginnt der Bundestagswahlkampf. Und letztlich versuchen auch, die Parteien in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Tage diese eine Frage zu beantworten: Wie können wir unter den Bedingungen der Gegenwart "gutes Leben" für die Menschen gestalten? Bis Ende September ist es unsere Aufgabe, diese Antworten zu bewerten und dann der Partei meine Stimme zu geben, die meiner eigenen Vorstellung von einem "guten Leben" am Nächsten kommt.

Es ist schon ein bisschen erstaunlich, dass die Frage nach einem "guten Leben" in der Bibel so nicht gestellt wird. Wenn die Bibel von "Leben" spricht, dann in der Regel vom "ewigen" Leben oder einem "Leben in Fülle". Auf den ersten Blick überraschend, weil sich Jesus selber ja immer wieder dafür eingesetzt hat, dass Menschen schon jetzt ein menschenwürdiges Leben haben, dass ihnen die Teilhabe an Gesundheit, am sozialen Leben, an der Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft und so weiter, ermöglicht und nicht verwehrt wird. – Ein Widerspruch?

Den Theologen der Bibel geht es darum, das irdische Leben nicht isoliert zu sehen. Das irdische Leben ist der erste Teil meines Lebens. Der Tod ermöglicht mir dann den Zugang zu dem, was die Heilige Schrift als "ewiges Leben" beschreibt. Dies ist Teil des christlichen Menschenbildes. Für Christen hängt beides miteinander zusammen: Weil einmal das ewige Glück auf mich wartet, gehört es zur Würde eines jeden Menschen, schon jetzt ein möglichst "gutes" Leben führen zu können. Und daraus leitet sich letztlich sogar die Pflicht für mich ab, mich dafür einzusetzen, dass dies allen möglich wird.

"Gutes Leben" braucht aber auch Strukturen, in denen dies möglich ist. Solche Strukturen zu gestalten, ist Aufgabe der Politik und der Regierenden. Deshalb werde ich  die Vorschläge und Ideen der einzelnen Parteien gut prüfen. Bis zum September habe ich genug Zeit, mich mit ihnen vertraut zu machen.

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