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Auf ein Wort

Am Ende des Wonnemonats

Von Stefanie Lübbers

28. Mai 2017

Eine Besonderheit des katholischen Lebens hat diesen Monat geprägt: Maria. Sie spielt eine wichtige Rolle als Mutter von Jesus. Marienfrömmigkeit hat ihren Platz in Gottesdiensten und ist als religiöses Kulturgut verbreitet. In dieser Zeit verbreitet sich auch eine andere Kultur, oder eher ein Kult, in Sachen Frau: Werbung für die Bikini-Figur, Abnehmtipps, schöne Bilder von Gärten, Sonnenliegen und schönen Frauenkörpern darin, Werbung für Partnerbörsen. In dieser Reizflut zur Blütezeit tauchen für mich, mal laut mal leise, Impulse auf, die zur geheimen Konformität der Weiblichkeit aufrufen: So musst du aussehen!

Ich höre mich um: Ich kenne Unternehmen, in denen Angestellte im Bereich Rezeption fast ausschließlich ihrer Optik wegen eingestellt werden; in einem Interview über Alltagssexismus höre ich eine junge Rechtsanwältin, die ihr Vorstellungsgespräch in einer Bar führen und dabei nicht eine einzige fachbezogene Frage beantworten musste. Eine Journalistin mit sogenannter durchschnittlicher Körperstatur beschreibt verschiedene Reaktionen, zum Beispiel. dass es ja erstaunlich sei, dass sie es, trotz ihrer Figur, so weit gebracht hätte. Zwischen diesen Konformitätsapellen gab es etwas Neues: am 11. Mai 2017 lief der Film Embrace im Kino.

Embrace. Der Titel bedeutet Umarmung. Ein Film, der dazu ermutigt, mit zu viel Konformität Schluss zu machen. Schluss mit: ich bin nicht genug dünn, ich bin nicht genug blond, ich bin nicht genug durchtrainiert. Dieser australische Dokumentarfilm, den die deutsche Schauspielerin Norah Tschirner mit produziert hat, folgt der Frage, woher dieses schlechte Körpergefühl bei immer mehr Frauen kommt und zeigt auf, wozu der Perfektionszwang bei Frauen führen kann. Maria-Kult und Körper-Kult? Der biblische Befund zeigt nichts von modernem Körperkult und Bikini-Figur bei Maria. Ist Maria eine Frau, die auch nicht ins Heute passt? Oder hilft der Blick auf Maria mit weiter, diesem Körperkult anders zu begegnen? Maria möchte in ihrem Leben mit Vertrauen auf Gott, ihren Beitrag dazu leisten, einen Neuanfang zu machen. Mit der Geburt von Jesus setzt sie ein Zeichen für ein Miteinander, in dem sich der Mensch mit dem, was er ist, annehmen kann.

Was Maria für mich sein kann ist Folgendes – ähnlich wie bei dem Film Embrace: Schluss machen mit alten Bildern! Neu anfangen! Maria ist ein Sinnbild für eine Schöpfung, die erlöst ist, die jeden Menschen von Schuld und falschen schlechten Gefühlen befreien will. Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes und darf selbst entscheiden: Von wem möchte ich Abbild sein? Was möchte ich abbilden? Wie möchte ich mich in meiner Haut und mit meinem Körper fühlen? Es ist Ende Mai. Es ist Zeit. Es ist Zeit für einen Neuanfang. Die Zeit ist reif, dass sich jeder Mensch annehmen kann wie er ist.

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