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Auf ein Wort

Schuld eingestehen

Von Jeannette Querfurth

21. Mai 2017

"'Das habe ich getan', sagt mein Gedächtnis. 'Das kann ich unmöglich getan haben' – sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach." Das hat Friedrich Nietzsche gesagt. Fehler einzugestehen oder Schuld zuzugeben, ist für die meisten Menschen ein fast unüberwindbares Hindernis. Ein Problem seit Urzeiten: schon in der Bibel beim Sohn von Adam und Eva. Kain hatte aus Neid seinen Bruder Abel erschlagen. Als Gott ihn fragt: "Kain, wo ist Dein Bruder Abel?", gibt er sich unschuldig und schnippisch. "Soll ich meines Bruders Hüter sein?" Mit anderen Worten: "Keine Ahnung. Was geht es mich an, was mein Bruder treibt?" Die Bibel beschreibt an vielen Stellen den menschlichen Zweischritt, wenn man schuldig geworden ist: Vertuschen – oder, wenn das nicht funktioniert, den Fehler umgehend auf andere schieben.

Dass jemand offen zu seiner Schuld steht und sie klar benennt, ist selten und wertvoll. In Bremen ist es in dieser Woche geschehen. Die Direktorin des Übersee-Museums, Wiebke Ahrndt, hat in einer bewegenden Rede um Entschuldigung gebeten. Das Übersee-Museum hat am Donnerstag in einer Zeremonie von den Gebeinen von bis zu 44 Maori Abschied genommen. Sie waren vor 100 Jahren aus ihren Gräbern geholt und nach Bremen ins Museum gebracht worden. Für die Ureinwohner von Neuseeland, die Maori, war es eine Qual, dass ihre toten Ahnen ausgegraben und fern der Heimat gebracht wurden. Nach ihrem Glauben könnten sie so niemals Ruhe finden. Dieses Unrecht hat nun ein Ende. Die Gebeine werden wieder zurück nach Neuseeland gebracht.

Wiebke Ahrndt sagte in ihrer berührenden Rede am Schluss: "In unseren Herzen haben sie für immer einen Platz gefunden. Deshalb geht uns der Abschied heute sehr nahe, aber wir sind froh, dass sie nun nach so langer Zeit nach Hause zurückkehren können. Wir möchten uns für das geschehene Unrecht entschuldigen und auch dafür, dass sie so lange fern der Heimat sein mussten. Wir wünschen uns, dass sie ihren Frieden in der Heimat finden und dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen."
Gut gesprochen!

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