Livestream

Bremen Eins Serien Auf ein Wort

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Auf ein Wort

Kraft und Gelassenheit

Von Martina Höhns

7. Mai 2017

Heute ist wieder so ein Tag: Ich weiß morgens noch nicht, wie sich die Welt bis zum Abend verändert haben wird. In Frankreich wird gewählt. Weit weg, aber das Ergebnis der Wahl hat Folgen: für die Zukunft der Europäischen Union und damit auch für mein Leben. Ich spüre deshalb eine gewisse Unruhe. Wie wird das ausgehen? Welche Auswirkungen wird das haben? Kann ich etwas tun? Auf die Wahl in Frankreich habe ich keinen Einfluss. Aber auf die Grundstimmung im Blick auf die Europäische Union und auf die Politik, auf das zwischenmenschliche Klima in der Gesellschaft, darauf schon.

In Situationen, in denen ich nicht so recht weiß, ob ich etwas tun kann, mich ohnmächtig fühle, denke ich oft an ein Gebet, das dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird. Er schreibt: "Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, das eine vom anderen gut zu unterscheiden." Wenn mich das Gefühl von Ohnmacht wie Mehltau befällt, dann gibt mir dieses Gebet Kraft: die Kraft, mich einzumischen. Darauf zu setzen, dass ich Dinge verändern kann. Nicht nur, indem ich mein Wahlrecht ausübe. Ein Recht, für das viele Generationen lange gekämpft haben und das in vielen Teilen der Welt bis heute nicht selbstverständlich ist.

Auch durch meine alltäglichen Entscheidungen und meinen Lebensstil kann ich Dinge ändern: Meine Macht als Konsument ist nicht zu unterschätzen. Ich habe die Wahl, wo ich meine Lebensmittel und meine Kleidung kaufe, wo ich mich informiere, was ich mit meinem Geld und mit meiner freien Zeit anfange. Und erst recht in meiner Familie und meinem Beruf habe ich Einfluss: wenn ich nicht wegsehe, wenn andere ungerecht behandelt oder gemobbt werden; indem ich den Mund aufmache, wenn sich jemand auf Kosten eines anderen profiliert oder bereichert. Wenn ich Zeit habe, für andere da bin.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen ich erkennen muss: Das übersteigt meine Kraft, darauf habe ich keinen Einfluss. Aber auch dann kann ich mit Franz von Assisi beten: "Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, das eine vom anderen gut zu unterscheiden."

Auf ein Wort
Mehr zur Beitragsreihe "Auf ein Wort"