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Auf ein Wort

Erster Mai

Von Martina Höhns

30. April 2017

Wer freut sich nicht über das lange Wochenende? Morgen ist der 1. Mai, der "Tag der Arbeit". Ein weiterer freier Tag, an dem ich – wie viele andere – nicht arbeiten muss. Über den Sinn oder Unsinn von Feiertagen wird immer wieder gerne gestritten: Sind sie noch zeitgemäß? Ist ihr Anlass angemessen und politisch korrekt? Nun, der 1. Mai war ursprünglich ein Kampftag der internationalen Arbeiterbewegung, entstanden um 1890 in den USA. Als gesetzlicher Feiertag in Deutschland wurde er 1933 von den Nationalsozialisten eingeführt. Aber der 1. Mai steht für etwas, was heute so aktuell ist wie eh und je: Denn am "Tag der Arbeit" geht es ganz grundsätzlich um den Wert der menschlichen Arbeit.

Konkret geht es um menschenwürdige Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt: um Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, gleichen Lohn für Männer und Frauen, das Recht auf Elternzeit oder Zeit für die Pflege von Angehörigen. Es geht um die Solidarität der Arbeitnehmer untereinander. Solidarität, die auch über die Grenzen von Staaten und Wirtschaftsräumen hinausgeht. Oft wird diese Solidarität – im Kleinen wie im Großen – ziemlich schnell dem Konkurrenzdenken geopfert.

Und es geht um den Schutz von freien Zeiten. Nicht nur um Jahresurlaub, den 8-Stunden-Tag und die 5-Tage-Woche. Es geht um freie Zeit, in der ich mich von der Arbeit erholen kann, die ich gemeinsam mit anderen verbringe, mit Freunden und Familie. Auch deshalb gehören die Gewerkschaften – wie die Kirchen – zu den großen Unterstützern von arbeitsfreien Sonn- und Feiertagen. Diese gemeinsame freie Zeit ist ein kostbares, aber auch ein bedrohtes Gut. Denn heute werden fast alle Lebensbereiche mehr und mehr den Gesetzen der Wirtschaft und Effizienz unterworfen. Was sich nicht rechnet, findet nicht mehr statt. Da rufen viele danach, auch die arbeitsfreien Sonn- und Feiertage auf den Prüfstand zu stellen.

In Bremen gibt es eine besondere Form der Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Kirchen: Seit vielen Jahren feiern sie am 1. Mai einen gemeinsamen Gottesdienst. Morgen steht er unter dem Motto "Wir sind viele - wir sind eins. Gemeinsam für Gerechtigkeit". Für die Predigt eingeladen wurde in diesem Jahr Margot Käßmann. Gäste sind herzlich willkommen:
zum Gottesdienst morgen um 09.00 Uhr in der Kirche Unser Lieben Frauen in der Bremer Innenstadt. Und anschließende zur Maidemonstration und zur Kundgebung auf dem Domshof.

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