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Auf ein Wort

Karwoche

Von Elisabeth Brinkmann

9. April 2017

Die Tage werden wieder heller und länger. Endlich. Alles wird bunter und frühlingshafter. Die Sonne tut mir und der Natur gut. Besonders freue ich mich über die Fülle an gelben Narzissen, die dem Stadtbild einen ganz besonderen Glanz verleihen. Sie weisen auf die Nähe zu Ostern hin und werden im Volksmund auch Osterglocken genannt. Doch vor dem Osterfest liegt noch eine Woche, die als Passions- oder Karwoche bekannt ist. Sie beginnt mit dem heutigen Palmsonntag. Diese Woche ist geprägt vom schnellen Stimmungsumschwung. Gerade noch heiß umjubelt, mit Palmzweigen, mit Hosianna und Prozession gefeiert…dann vom Jubelgesang zur traurigen Stille…zum Leid…und dann erneut zum Halleluja. Ein Wechselbad der Gefühle.

Jubel - Angst - Trauer - Osterjubel. Wie im richtigen Leben. Mein eigenes Leben ist doch auch ständig hin- und hergerissen zwischen Tod und Geburt, zwischen Freude und Leid, zwischen Feierlichkeiten und Trauer. Immer wieder ist ein Land, eine Stadt in ganz besonderer Weise von Naturkatastrophen oder Terror betroffen. So wie in den letzten Tagen in Kolumbien, in Syrien und auch in St. Petersburg. Solche Zeiten haben durchaus etwas von einer "Karwoche".

Der Ausdruck "Karwoche", geht auf das althochdeutsche Wort "kara" zurück, das so viel wie "Sorge" oder "Kummer" bedeutet. So rückt das Kreuz Christi in dieser Woche mehr und mehr in den Blick - und mit ihm auch die vielen Nöte in der Welt - ja, auch meine eigenen Sorgen, mein Leid, mein eigenes Kreuz:
Das Kreuz der Krankheit, das mich an die Grenzen der eigenen Kräfte führt.
Das Kreuz der Einsamkeit, das mir die Lebensfreude nimmt.
Das Kreuz der Ohnmacht, das mich sprachlos macht.
In solchen Situationen hilft mir ein Gebet, das ich bei der Schweizer Theologin Sabine Naegeli gefunden habe:
"Herr, mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist:
die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut.
Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren,
dass ich nicht allein bin,
dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft"*
Lass mich erfahren, dass du mich hältst.                                                          

*aus: Sabine Naegeli "Du hast mein Dunkel geheilt"

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