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Auf ein Wort

Fastenzeit

Von Elisabeth Brinkmann

2. April 2017

Heute ist für Christen der 5. Fastensonntag in der Zeit vor Ostern. Der Begriff "Fasten" ist sehr vielschichtig: So sprechen die einen von Fasten-Kuren, die das Abnehmen und Entschlacken in den Mittelpunkt stellen. Andere bieten Heil-Fasten an: Da geht es um einfacher essen, meditieren, entspannen und manchmal auch um das gemeinsame Bibellesen und Beten. Deutlich wird bei diesen Angeboten: Fasten ist durchaus "in". Dem einen geht es hauptsächlich um sein Schönheitsideal. Dem anderen in erster Linie um die Erfahrung der Einheit von Leib und Seele.

Der Begriff "Fasten" findet sich schon im Althochdeutschen. Dort bedeutet die gebotene Enthaltsamkeit ein "Fest-Sein". "Fest-Sein" als Einstehen für eine bestimmte Sache. So ist es für mich auch eine Zeit, meine persönlichen Verbindungen wieder mehr in den Blick zu nehmen und zu pflegen. Ein Blick in die verschiedenen Religionen zeigt, dass "Fasten" in allen Religionen fest verankert ist. Im Islam gehört der Fastenmonat Ramadan zu den tragenden Säulen. Hinduismus und Buddhismus kennen die Askese. Auch im Judentum gibt es eine besondere Fastenzeit.

Fasten im christlichen Sinn bedeutet: sich einüben in die Freiheit. Freiheit gegenüber den eigenen Ansprüchen, Freiheit gegenüber dem Konsum. Fasten ist dann nicht nur Verzicht. Es ist dann auch Gewinn. Es setzt etwas in mir frei. Doch nicht die "Freiheit von" etwas ist das Entscheidende in der Fastenzeit, sondern die "Freiheit für" etwas. So kann ich in der Fastenzeit frei werden für neue Erfahrungen. Frei werden für den Nächsten mit seinen Sorgen, Ängsten und seinem Glück.

Fasten ist also nicht ein Kampf gegen, sondern ein Einsatz für etwas. Durch das Motto: "Die Welt ist voller Guter Ideen. Lass sie wachsen" macht die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor das in diesem Jahr noch einmal ganz besonders deutlich. Wenn ich das Fasten und die Fastenzeit so verstehe, wird klar: Fasten ist nicht Selbstzweck, sondern hat immer etwas mit meinem Umfeld zu tun. Fasten ist Ausdruck dafür, dass ich nicht immer nur um mich selbst kreise. Und indem ich es übe, werde ich freier: für meinen Nächsten und für Gott.

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