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Auf ein Wort

Fastenzeit

Von Martina Höhns

5. März 2017

Seit Mittwoch ist es wieder so weit: Die Fastenzeit hat begonnen. 40 Tage, die für viele Christen etwas Besonderes sind. 40 Tage, die sich vom Rest des Jahres unterscheiden können. Entweder, weil ich bewusst auf etwas verzichte: zum Beispiel auf Alkohol, Zigaretten oder auf bestimmte Süßigkeiten; oder weil ich etwas reduziere: zum Beispiel die Zeit, die ich mit Facebook, Instagram und Twitter oder vor dem Fernseher verbringe; oder weil ich mir bewusst Zeit nehme für etwas. Etwas, was sonst zu kurz kommt: zum Beispiel mehr zu Fuß zu gehen, mehr Zeit für Stille und genügend Schlaf, aufmerksamer zu sein für die Sorgen meiner Kolleginnen und Nachbarn.

Viele Kulturen kennen das Fasten, es wird seit Jahrtausenden praktiziert. Meistens dient es einer besonderen Art von Reinigung: Ein Mensch, der fastet, will sich erneuern und Ballast abwerfen. Er will neue Klarheit gewinnen. Das betrifft Körper, Geist und Seele gleichermaßen. Fast alle Weltreligionen kennen deshalb eine besondere Fastenzeit: das Judentum, der Islam und das Christentum. In den Kirchen gilt die Fastenzeit als eine Zeit der Umkehr und Vorbereitung: Der Vorbereitung auf das höchste christliche Fest: auf Ostern.

Dabei hat die Zahl 40 eine hohe symbolische Bedeutung: Jesus hatte 40 Tage in der Wüste gefastet, während der Sintflut soll es 40 Tage und Nächte geregnet haben, und das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten. Die Zahl 40 steht deshalb symbolisch für einen Zeitraum, der mich zum Nachdenken auffordert, der es möglich macht, neu anzufangen. Eigentlich sind es ja sogar 46 Tage, wenn man genau zählt von Aschermittwoch bis Karsamstag. Aber die Sonntage gelten nicht als Fasttage. Sonntags wird nicht gefastet. Denn auch in der Fastenzeit ist jeder Sonntag ein besonderer Tag. Ein Tag, der den Alltag unterbricht und an dem Christen die Auferstehung Jesu Christi feiern.

Heute gibt es ganz unterschiedliche Formen, die Fastenzeit zu gestalten. Für mich sind diese 40 Tage immer wieder eine besondere Chance: mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zu schauen, wo ich auf Überflüssiges verzichten kann, mir Zeit zu nehmen für das, was wirklich wichtig ist in meinem Leben. Dabei hilft es mir, all das in diesen 40 Tagen nicht alleine zu tun. Fast jeder Zweite – so die Meinungsforscher – will in diesem Jahr fasten. Fasten liegt im Trend.

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