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Ein Klippschliefer ist kein Kaninchen

Von Jeannette Querfurth

26. Februar 2017

Ein Klippschliefer ist kein Kaninchen. Da hat sich Martin Luther mal richtig geirrt. Ein Klippschliefer ist dennoch ein putziges Tier. Nur gut 4 Kilo schwer, braun und pelzig. Äußerlich ähnelt er einem etwas ungehaltenen Murmeltier. Die beiden großen Vorderzähne sorgen für den leicht grimmigen Eindruck. Sie sind übrigens der einzige Hinweis auf eine überraschende Verwandtschaft. Denn wenn der puschelige Klippschliefer auch aussehen mag wie ein Murmeltier, ist er doch genetisch verwandt mit dem Elefanten und der Seekuh. Ein Scherz der Evolution. Man kann sich seine Verwandten halt nicht aussuchen.

Als Martin Luther vor 500 Jahren die Bibel ins Deutsche übersetzte, schrieb er im 104. Psalm: "Die hohen Berge sind der Gemsen Zuflucht und die Steinklüfte die der Kaninchen." Das war ein glatter Übersetzungsfehler. "Shit happens!" Die Steinklüfte gehörten nämlich dem Klippschliefer, und er war hier gemeint.

Nun hat Luther in Wittenberg nie einen echten Klippschliefer gesehen, denn die lebten in den Felsklüften Afrikas. In Wittenbergs Ackerfurchen tummelten sich Kaninchen. So sei ihm der Fehler verziehen. In Wittenberg gibt es heutzutage aber nicht nur einen Zoo, sondern der beherbergt auch einen Klippschliefer. Der Zoodirektor sagt über ihn etwas despektierlich: "Rein optisch ist er nicht so der Reißer." Der Kleine hat es wirklich nicht leicht.

Aber als Wiedergutmachung für Luthers Fehler übernimmt der Verein Reformationsjubiläum 2017 die Patenschaft des kleinen Klippschliefers und spendet 150 Euro an den Tierpark. Das ist doch immerhin ein Trost für den gebeutelten kleinen Kerl!

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