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Auf ein Wort

Evolution

Von Propst Bernd Kösling

12. Februar 2017

"Mir ist, als gestehe ich einen Mord" – es ist nicht der Beginn eines spannenden Psychothrillers. Aber schon der Beginn einer Revolution. Im Denken. In den Naturwissenschaften. Auch in der Theologie. Charles Darwin, britischer Naturwissenschaftler und Theologe, beginnt mit diesem Satz sein wohl bekanntestes Werk. Mit der von ihm beschriebenen Evolutionstheorie erschüttert er das Weltbild seiner Zeitgenossen. Heute vor 206 Jahren wurde er geboren.

Er entdeckt, dass sich das Leben schrittweise aus verschiedenen Urformen bis hin zum Menschen entwickelt hat. Es ist ihm sogar gelungen, wesentliche Kräfte dieser Evolution zu beschreiben. Zu ihnen gehört die Beobachtung, dass nur diejenigen einer Art, die am besten an das Leben angepasst sind, überleben und sich fortpflanzen können. Dass deshalb Sexualität ein wichtiger Antrieb der Evolution ist. Und auch Aggression. Der Stärkere muss sich durchsetzen können, um zu überleben. Diese Kräfte bestimmen die Art zu leben aller Lebewesen dieser Erde. Auch die der Menschheit. Die Menschen haben aber früh entdeckt, dass für sie ein unkontrolliertes Ausleben dieser Kräfte schädlich ist. So entwickelten sich moralische Normen. Ein Verhaltenskodex, der die negativen Folgen von Aggression und Sexualität eindämmen soll. Es entstehen Gesetze, die diesen Kodex absichern und schützen.

Zur Evolution des Menschen gehört aber auch: Für uns sind noch andere Dimensionen wichtig. Zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur gehören Gräber. Menschen verscharren ihre Toten nicht, sondern setzen sie bewusst bei. Das deutet darauf hin, dass sich der Mensch mit den Gesetzen der Natur nicht abfinden konnte. Die Sehnsucht nach Leben war schon immer stärker als die Erfahrung des Todes. Und es gehören uralte Opferstätten zu diesen Funden früher menschlicher Existenz. Zeichen dafür, dass Menschen schon immer über die Grenzen ihrer eigenen Existenz hinaus gedacht haben; eine Ahnung in sich spürten, von einer guten Macht getragen zu sein. Die nicht den Gesetzen dieser Welt unterstand. Die anders ist.

Die Bibel erzählt davon, dass all das nicht nur eine unerfüllbare Sehnsucht ist. Gott beruft uns wirklich zu Größerem, das die Maßstäbe der Natur umdreht: Wir sichern unserer Art gerade dadurch, dass wir die Armen, Kranken und Schwachen nicht ausgrenzen. Bis dahin, dass selbst der natürliche Tod unser Leben nicht beenden wird.

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