Livestream

Bremen Eins Serien Auf ein Wort

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Auf ein Wort

Auf ein Wort

Von Holger Gehrke

22. Januar 2017

"Populus" ist lateinisch und heißt "das Volk". "Populisten" könnten also Menschen sein, die unmittelbar aus dem Volk kommen. Menschen, die keiner Elite angehören und trotzdem etwas zu sagen hätten.
Populisten könnten aber auch Menschen sein, die "dem Volk aufs Maul schauen", etwas bemerken und daraus Konsequenzen ziehen. Martin Luther hat ja eben solches von sich behauptet. "Man muss dem Volk aufs Maul schauen" hat er gesagt.  Und dann hat er die Bibel so übersetzt und so gepredigt, dass es einfache Menschen verstehen können.

Wer man in diesen Tagen von einem "Populisten" spricht, meint man etwas anderes. Diesem Menschen unterstellt man, dass er es mit Fakten, mit dem Anstand und mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und bei komplizierten Problemen vermeintlich leichte Lösungen anbietet.

Ein solcher "Populist" schaut dem Volk nur "aufs Maul", weil er ihm auf dem Weg zu persönlicher Macht nach dem Mund redet. Am Ende interessiert solch selbstverliebte Populisten immer nur ihr eigenes Wohl.  

War Martin Luther ein "Populist"? Feiern wir in diesem Jahr 500 Jahre Reformation, weil Luther als genialer "Populist" dem Volk perfekt nach dem Maul predigte? Sicher nicht. Denn Luther schaute nur deshalb dem Volk aufs Maul, hörte dem einfachen Menschen nur deshalb so intensiv zu, weil ihn bewegte, was diese Menschen umtrieb. Ihr Ängste und Sorgen waren ihm wichtig.

Luther redete, schrieb oder handelte deshalb aber noch lange nicht nach dem, was "Populus", das Volk, hören wollte. Einfache Lösungen suchte er nicht. Luther fand vielmehr einfache Worte für komplizierte Themen und Sachverhalte. Er kam dem Volk nicht mit einer billigen Ersatzwahrheit, sondern mit dem ganzen, aber vom Volk nun verständlichen Anspruch des Wortes Gottes.

Dem Volk aufs Maul zu schauen ist deshalb immer unverzichtbar. Mit welchem Ziel aber und was am Ende daraus werden soll, daran kann man die guten von den schlechten "Populisten" leicht unterscheiden.

Auf ein Wort
Mehr zur Beitragsreihe "Auf ein Wort"