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Auf ein Wort

Don Camillo und Peppone – deutsche Version

Von Jeannette Querfurth

4. Dezember 2016

Gerd Kreiter ist genervt. Der Bürgermeister von Kirchardt bei Heilbronn hat in dieser Woche einen langen Rechtstreit verloren. Ein Betonwerk, eine Gießerei und eine Fabrik für Holzkisten stehen im Industriegebiet von Kirchardt. Und mitten in diesem klassischen Industrieensemble werden jetzt – zum Ärger des Bürgermeisters – Gräber angelegt. Eine kuriose Geschichte.

Seit über 20 Jahren schon steht zwischen den Fabriken auch eine hübsche Kirche mit Zwiebeltürmen. Die syrisch-orthodoxe Christengemeinde hat sich dort ihre eigene Kirche errichtet. Das Bauland war günstig gewesen. Im Bauantrag enthalten war damals auch eine Krypta unter dem Kirchraum zur Bestattung der Priester. Das ist an sich nicht ungewöhnlich: Auch in Bremen wurden vor 40 Jahren viele Bischofsgräber unterhalb des Doms entdeckt. Und alle Päpste werden heute noch unterhalb des Petersdoms bestattet. Auch für die syrisch-orthodoxen Christen gehört das Grab ihres Priesters unter der Kirche zur Tradition. Die Gräber der Verstorbenen sollen, so heißt es wörtlich "in Hörweite zum Altar" sein. Ein hübscher Gedanke, wie ich finde.

Der Kirchbau im Industriegebiet von Kirchardt wurde damals genehmigt. Die Krypta mit den Grabstätten aber abgelehnt. Das passe nicht ins Industriegebiet, fand der Bürgermeister. Ein pfiffiger Mitarbeiter im Regierungspräsidium hat aber den Orthodoxen damals schon gesteckt, doch erst einmal einen Keller zu bauen. Daraus könne man später doch immer noch eine Krypta machen. Gesagt, getan. Statt einer Krypta mit Grabstellen entstand unter der neuen Kirche zunächst ein "Lagerraum". Der Bürgermeister schäumte vor Wut, als er später von diesem Tipp aus dem Regierungspräsidium erfuhr.

Zehn Jahre später, vielleicht war der Priester in die Jahre gekommen, wurde erneut der Antrag auf die Begräbnisstätte gestellt. Und in dieser Woche bekam die Gemeinde nach jahrelangem Streit Recht. Diese besondere Form der Bestattung falle unter die Religionsfreiheit und sei daher erlaubt, entschied das Gericht.

Der Bürgermeister von Kirchardt ist wütend. Eine lärmende Industriegegend sei doch einfach kein geeigneter Ort für die Grabesruhe Verstorbener. Das sieht Alexander Kukk, der Anwalt der orthodoxen Gemeinde ganz anders. Die Wände der Krypta seien 40 Zentimeter dick. Da müsse man sich um die Totenruhe keine Gedanken machen. Wenn überhaupt jemand vom Lärm der Gießerei und des Betonwerks gestört werde, dann sicher nicht die zukünftigen Toten, sondern höchstens die noch Lebenden. Fortsetzung folgt…

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