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Auf ein Wort

Menschenwürde

Von Propst Bernd Kösling

13. November 2016

"Da werde ich Sie noch ein bisschen zappeln lassen." Mit diesem Satz antwortet Donald Trump in einem der Fernsehduelle auf die Frage, ob er das Wahlergebnis anerkennen werde. Nach dem Ende des Auszählens stellte sich dann diese Frage nicht mehr. Trump hat gewonnen und wird am 20. Januar nächsten Jahres als 45. Präsident der USA vereidigt werden. Viele Menschen haben Angst, dass auch uns im nächsten Jahr ein ähnlich gruseliger Wahlkampf bevorsteht. Die populistischen Parolen von Pegida und AfD kennen wir alle. Politiker werden in übelster Weise beschimpft. Polizeibeamte von sogenannten "Reichsbürgern" angegriffen und sogar erschossen.

Vielleicht ist es doch gut, sich an die Grundlagen zu erinnern, die unser Zusammenleben prägen. Unser Grundgesetz beginnt mit den Worten: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt." Die sich daraus ergebenden Rechte von freier Meinungsäußerung, unterschiedlichen politischen Vorstellungen, Pressefreiheit usw. unterliegen den Geboten, die Würde des Menschen und die sich daraus ergebenden unveräußerlichen Menschenrechte zu achten. Auch in Wahlkämpfen.

Ich bin ein großer Fan einer vielfältigen und bunt ausdifferenzierten Gesellschaft. Für mich ist dies eine Bereicherung, die viel mit meinem christlichen Glauben zu tun hat. Wir Menschen sind als Ebenbild Gottes geschaffen – wie es im Schöpfungsbericht der Bibel heißt. Die Würde, die uns das Grundgesetz unseres Landes zuspricht, gründet in dieser Ebenbildlichkeit. Weil jeder Mensch ein solches Ebenbild Gottes ist, hat er eine unverfügbare Würde. Und fundamentale Rechte. Erst durch die Vielfalt und Buntheit unseres Lebens bilden wir diese Ebenbildlichkeit Gottes wirklich ab. Er selbst schenkt uns diese große Breite an Gaben und Phantasie.

Wer diese gesellschaftliche Pluralität nicht mehr als Ausdruck dieser Ebenbildlichkeit des Menschen verstehen kann, ist in Gefahr, die Buntheit des Lebens schnell als Bedrohung zu empfinden. Der Schritt dahin, manchen Menschen ihre Würde und Rechte abzusprechen, ist dann nicht mehr weit. Zur Pluralität unserer Gesellschaft gehört selbstverständlich auch die Freiheit, den christlichen Glauben nicht annehmen zu wollen. Und unsere Überzeugung der Ebenbildlichkeit des Menschen nicht zu teilen. Lassen Sie uns aber trotzdem versuchen, uns gemeinsam für die Würde und die Rechte aller Menschen einzusetzen.

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