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Auf ein Wort

Vergleichen

Von Ines Bauschke

6. November 2016

"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." Ein sehr treffendes Wort des Philosophen Sören Kierkegaard, wie ich finde. Es stimmt ja auch: Ständig vergleichen sich Leute mit anderen. Ich ertappe mich selbst dabei. Viele Leute leiden darunter, nicht so gut zu sein oder vermeintlich nicht so gut zu sein wie andere. Ich glaube, das ist ein grundsätzliches Problem. Denn: Werden wir nicht auch daraufhin ausgerichtet? Ist das Vergleichen nicht die Norm unserer Gesellschaft: Besser sein, mehr verdienen, fitter aussehen, jünger wirken als... ? "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks."

Es gibt so einige Sätze, ich bekam sie als Jugendliche in der Kirche zu hören, die für mich immer ein bisschen blass geblieben sind: Du bist du. Oder: Du bist einzigartig. Sätze, die mir versichern sollten, ganz okay und gottgewollt zu sein. Ganz überzeugt haben mich diese Sätze nie. Sie blieben so abstrakt. Ich verstehe diese Sätze mittlerweile mit dem Hintergrund, dass damit das Gegenteil gemeint ist vom Sich-mit-Anderen-Vergleichen. Das ist gar nicht so einfach. Das heißt ja auch, jemand anderem zu gönnen, auch gut, toll, schön zu sein – ohne gleich zu denken – besser als ich, schicker als ich?

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks. Wenn man den Kierkegaardschen Satz einmal umkehrt, dann hört sich das so an: Das Glück beginnt, wenn ich mich nicht mehr vergleiche, und: Wenn ich die biblischen Sätze aus dem Psalm 139 ernst nehme: "Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele." Also, ich bin wunderbar gemacht, und auch alle anderen. Diese beiden Sätze aus dem 139. Psalm sind für mich das Heilmittel zu einer Welt des Wettbewerbs, des Vergleichens, des Besserseinmüssens.

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Dass du mich wunderbar gemacht hast, Gott. Wenn meine Seele das erkennt, wenn ich also diesen Satz in meinem tiefsten Inneren nachvollziehen kann, dann liegt darin der Ursprung des Glücks. Dann kann ich glücklich werden.

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