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Auf ein Wort

Luther als Playmobil

Von Jeannette Querfurth

30. Oktober 2016

Die "Burg des schwarzen Barons", der "Ponyhof" oder das "Piratenschiff". In fast allen deutschen Kinderzimmern steht irgendetwas von Playmobil. Die kleinen Kunststofffiguren zum Zusammenstecken sind ein Klassiker. Jetzt gibt es einen neuen Bewohner für die Burg oder das Piratenschiff: Martin Luther. Ohne Flachs. Pünktlich zum 500-jährigen Reformationsjubiläum gibt es Martin Luther als Playmobil-Figur: mit kleinem schwarzen Talar zum Anstecken, eine Schreibfeder in der rechten Hand, eine aufgeschlagene Bibel in der linken.

Was eigentlich als Gag oder Sammler-Edition gedacht war, hat sich in den letzten Monaten zum Renner entwickelt. Zigtausend Playmobil-Luthers wurden schon nachproduziert. Auch bei mir steht im Büro einer auf dem Schreibtisch. Nicht wenige, die ihn dort gesehen haben, wollten auch gleich einen. Was soll das nun? Ist das ein unsinniger Werbe-Gag? Oder gar Geldschneiderei?

Ich finde nicht. Für mich ist diese kleine Figur auf meinem Schreibtisch ein An-Denken. Wenn ich ihn sehe, denke ich daran, was Martin Luther vor 500 Jahren auf den Weg gebracht hat. Mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche konnten ganz normale Menschen zum ersten Mal, ohne Unterstützung durch Theologen, die Bibel lesen und verstehen. Sie konnten sich nun ihre ganz eigenen Gedanken machen und haben das auch getan. Luther brachte den Menschen bei, dass ihr persönlicher Glaube das Tor zum Himmel ist – und nicht irgendwelche Ablassbriefe, die man teuer kaufen musste. Seine Idee von der Freiheit der Christenmenschen machte Gläubige selbstbewusst und mutig. Das finde ich immer noch großartig.

Morgen, am Reformationstag, werden auch wieder viele Kinder von Haus zu Haus ziehen und dem neuen Halloween-Kult frönen: Süßes oder Saures! Wenn sie bei uns klingeln, gibt es nicht nur Bonbons, sondern auch den Playmo-Luther in die Tüte.  So viel Reformationstag muss sein.

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