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Auf ein Wort

Menschenrechte

Von Dechant Bernd Kösling

10. Dezember 2017

"Wir sagen Euch an, den lieben Advent. Sehet, die zweite Kerze brennt." So heißt es in einem bekannten Kirchenlied. Und – wann zünden Sie die zweite Kerze an? Jetzt gleich beim Frühstück? Oder erst heute Nachmittag beim Kaffee trinken? Als der Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 den ersten Adventskranz baute, hatte dieser noch 24 Kerzen. Jeden Tag wurde der Kranz ein wenig heller, bis dann am Heiligen Abend alle Kerzen brannten. So konnten die Kinder, um die er sich kümmerte, leichter die Tage bis zum Weihnachtsfest abzählen.

Der immer heller scheinende Adventskranz wurde aber auch schnell zu einem Symbol für die tiefere Botschaft des Weihnachtsfestes. Gott wird Mensch, damit das Leben aller Menschen heller und lebenswerter wird. Menschliches Leben ist nicht immer leicht. Eigenes Unvermögen, die Begrenztheit unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten, Krankheit und Leid machen uns das Leben schwer. Da tut es gut zu wissen, dass ich in solchen Herausforderungen nicht allein bin. Gott bewahrt mich zwar nicht vor solchen Situationen, aber er lässt mich nicht im Stich. Er bleibt an meiner Seite, um die Last des Lebens mitzutragen. Menschen, die dies erfahren haben, sprechen gerne von einem Licht, das in der Dunkelheit ihres Lebens geleuchtet hat.

Manchmal machen wir uns aber auch gegenseitig das Leben schwer. Vor allem dann, wenn einige meinen, sie seien besser als andere. Oder wertvoller. Oder einfach den anderen überlegen. Die Weihnachtsbotschaft von der Menschwerdung Gottes sagt eigentlich etwas anderes: Jeder Mensch ist gleich. Wir besitzen eine Würde, die wir uns nicht selbst gegeben haben. Die wir niemals verlieren können. Und deshalb auch keinem Menschen absprechen dürfen. Daran erinnern am heutigen 10. Dezember auch die Vereinten Nationen, denn heute ist der "Internationale Tag der Menschenrechte"! Jeder Mensch auf der Welt hat die gleiche Würde und die daraus resultierenden gleichen Rechte. Die Einhaltung dieser Rechte ist Ziel und Aufgabe aller Völker dieser Erde.

Als Christ bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Gott den Menschen als sein Abbild geschaffen hat, und dass darin der tiefste Grund der Gleichheit aller Menschen und unserer Würde liegt. Auch daran will ich heute denken, wenn ich die zweite Kerze meines Kranzes anzünden und den leckeren Kaffee mit einem guten Stück Kuchen genießen werde.

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