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Bivsi - Oder: Die Jugend von heute

Von Jeannette Querfurth

6. August 2017

"Mir wurde von meinen Eltern noch Anstand und Respekt anerzogen", schimpft einer über die Jugend von Heute. Ein anderer empört sich: "Die Jugendlichen lieben Luxus und sie haben schlechte Manieren. Sie widersprechen ihren Eltern … und tyrannisieren die Lehrer".

Zwischen diesen beiden Klagen liegen fast zweieinhalbtausend Jahre. Die eine ist von einem Mann letzte Woche bei Facebook  und die andere vom griechischen Philosophen Sokrates im 5. Jahrhundert vor Christus.

Das Schimpfen über die verkommene und dekadente Jugend überdauert offenbar die Jahrtausende und es ist immer aktuell.

Darum freue ich mich ganz besonders über eine Geschichte wie die von Bivsi und ihren Mitschülern. Die Fünfzehnjährige geht in die 9a des Steinbart-Gymnasiums in Duisburg. Ebenso wie Sara aus Afghanistan, Nico aus Italien oder Marcia aus Angola. Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler dort hat, wie Bivsi, einen Migrationshintergrund. Bivsis Eltern kommen aus Nepal, aber sie selbst wurde in Deutschland geboren.

Als sie vor zwei Monaten mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben worden ist, wurden Mitschüler und Lehrer aktiv.

Denn Bivsi und ihre Eltern waren bestens in Deutschland integriert. Der Vater sorgte schon lange selbst für den Lebensunterhalt der Familie.

Darum sammelten Schüler, Eltern und Lehrer Unterschriften, damit Bivsi wiederkommen kann. Sie haben sogar eine Petition an den Bundestag verfasst. 30.000 Unterschriften sammelten sie in wenigen Tagen.

Am Ende hatten sie tatsächlich Erfolg. Letzten Dienstag durfte Bivsi mit einem Schüleraustausch-Visum nach Deutschland zurückkehren. Sie darf hier weiter zur Schule gehen und ihr Abitur machen.

Für mich ist das, was Bivsis Mitschüler getan haben, ganz einfach tatkräftige Nächstenliebe. Davon können wir gar nicht genug haben. Und auch nicht von so tollen Jugendlichen wie die 9a des Steinbert-Gymnasiums in Duisburg.


Über die kann man doch wirklich nicht meckern.

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