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Album der Woche

Sting & Shaggy - “44/876”

20. April 2018

Was immer auch Sting musikalisch anpackt, gelingt. Bei seinem neuesten Projekt “44/876“ hat er sich von Shaggy an die Hand nehmen lassen. Auf ihrem tiefenentspannten gemeinsamen musikalischen Weg haben der englische Musikallrounder und der aus Jamaika stammende Reggae-Star das perfekte Feeling gefunden und sind darüber Freunde geworden.

Hörprobe aus dem Song "Just One Lifetime" vom Album "44/876" von Sting & Shaggy.

Länge: 30 Sekunden
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

22nd Street [30 Sekunden] Gotta Get Back My Baby [30 Sekunden] Crooked Tree [30 Sekunden] Dreaming In The U.S.A. [29 Sekunden]

Nach den Ländervorwahlen von Großbritannien und Jamaika haben die beiden ihr am 20. April veröffentlichtes Album “44/876“ benannt. Beide vereint ihre Liebe zur Reggae-Insel in der Karibik. Shaggy ist in der Hauptstadt Kingston geboren und Sting hat in den 80ern auf Jamaika gelebt und dort viele Songs geschrieben. Er hat in dieser Zeit eine intensive Beziehung zum karibischen Inselstaat aufgebaut und sich vom Reggae musikalisch beeinflussen lassen. Der Aufmacher und Titeltrack “44/876“, der mit der Atmosphäre eines Telefongesprächs spielt, setzt ein sehr deutliches Signal, dass hier etwas musikalisch Besonderes kommt:

Shaggy über den Albumtitel [31 Sekunden]

 Der Albumtitel lautet “44/876“. Mit 44 ist die Ländervorwahl von Großbritannien und mit 876 die von Jamaika gemeint. Der Titelsong ist ein Telefonat zwischen ihm und mir. Ich sage ihm: ‘Hey, komm nach Jamaika!“. Und er antwortet dann: ‘Ja, ich denke, ich komme runter, denn die Politik in diesem Land macht mich fertig!‘ Es ist so etwas wie eine Einladung: ‘Komm vorbei und lass uns eine gute Zeit haben!‘ Und er: ‘Echt jetzt? Ja, lass uns Party machen!

Ein verblüffendes Zusammentreffen

Das Zusammentreffen von Shaggy und Sting im Vorfeld zu ihrem gemeinsamen Album verlief etwas anders, aber nicht weniger spontan: Sting sollte in Los Angeles auf Vermittlung seines Managers, des Produzenten Martin Kierszenbaum, zu Shaggy ins Studio kommen und dort lediglich den Refrain zur Single “Don’t Make Me Wait“ singen. Verblüfft stellten die beiden Musiker fest, wie gut ihre Stimmen trotz aller Gegensätzlichkeit zusammenpassten und wie gut sie sich verstanden. Sie vereinbarten, Songskizzen zu entwerfen, und gingen dann in New York ins Studio, um ihren neuen gemeinsamen Sound zu entwickeln.

Die Geschichte ihres gemeinsamen Albums gehe Hand in Hand mit der Geschichte ihrer beginnenden Freundschaft, betont Shaggy, was Sting nur zu gerne bestätigt:

Sting über die Zusammenarbeit [49 Sekunden]

Ich meine es ernst, wenn ich sage, dass das Album ein Zwiegespräch zwischen Shaggy und mir darstellt. Wir haben unsere Ideen eingebracht und diese dann gespielt. Er hat meine Idee also auf seine eigene Weise interpretiert, so wie ich seine auf meine Art. Wir haben also absolut auf Augenhöhe zusammengearbeitet. Es ist für mich faszinierend, jemandem dabei zuzuhören, wie er auf eine ganz besondere Weise die eigene Idee in die Tat umsetzt. Was dabei herausgekommen ist, war wirklich sehr überraschend. Etwa die Art, wie sich unsere Stimmen mischen, wo sie doch so unterschiedlich sind. Unsere kulturellen Hintergründe sind sehr verschieden. Und dennoch haben wir eine Musik geschaffen, die wir für eine Mischung halten, welche die Menschen anziehen wird. Auf der Platte finden sich so viel Sonnenschein und Freude. Das alles gründet absolut auf unserer Freundschaft, die während der mehrmonatigen Arbeit an unserem musikalischen Werk gewachsen ist. Wir sind damit sehr glücklich!

Das richtige Feeling zählt

Unter der Federführung von Shaggys langjährigem Produzenten “Sting International“ Shaun Pizzonia fanden die Aufnahmen in New York statt. Nach Jamaika sind Sting und Shaggy dann im Januar geflogen, um dort ein Benefizkonzert für ein von der Shaggy Foundation finanziell unterstütztes Kinderkrankenhaus zu geben. Dies tut Shaggy seit mehr als 15 Jahren. In jedem Jahr stellt er ein Benefizkonzert für das von ihm geförderte einzige Kinderkrankenhaus in der englischsprachigen Karibik auf die Beine, berichtet der Sänger. Den diesjährigen Auftritt mit Sting habe er jedoch über die Maßen genossen. Denn der Funke sei schnell auf das 20.000 Besucher zählende Publikum übergesprungen – der „Vibe“ habe funktioniert. Bis unter die Haarspitzen mit dieser positiven Energie aufgeladen seien Sting und er dann nach New York zurückgekehrt, um ihr neues Album fertigzustellen. Die Aufnahmen seien relativ schnell über die Bühne gegangen, was nur gelang, weil das Feeling gestimmt habe:

Autor/-in: Shaggy
Länge: 25 Sekunden
Datum: Montag, 23. April 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Wir mögen es, wie es sich anfühlt. Alles ist Feeling! Man kann seine Musik nicht einfach so herunterspielen, ohne dass die Zuhörer dieses Feeling spüren. Das gilt auch für unser gesamtes Projekt: Spüre es, denn es fühlt sich gut und richtig an! Die Energie ist atemberaubend! Die Musik, die entstanden ist, fühlt sich wie Magie an! Wenn wir uns das jetzt anhören, sagen wir ‘Wow!‘ Wir haben das innerhalb von sechs Wochen auf die Beine gestellt, also ungefähr sechs Wochen. Was relativ schnell ist, aber alles lief ja auch, und wir konnten den Dingen ihren Lauf lassen.

Zwei unterschiedliche Charaktere im selben Vibe

Dass Musik verbindet, ist uns nur allzu geläufig. Was das aber für die konkrete Arbeit an einem musikalischen Projekt bedeutet, das konnten die aus unterschiedlichsten Welten ins Popuniversum gelangten Künstler mit jeder Faser ihrer musikalischen Seele spüren:

Shaggy über die Gemeinsamkeiten [39 Sekunden]

So unterschiedlich wir wirken mögen, so ähnlich sind wir uns doch. Wir beide sind mit starken Frauen verheiratet. Wir haben dieselbe Sichtweise auf die Erde und ihren Zustand, auf die Umwelt und das Menschsein. Und was Musik und Kunst angeht, so gehen wir sehr respektvoll damit um. Wir mögen es, Dinge zu erkunden und zu experimentieren. Auch wenn wir einen ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergrund haben, so gibt es doch eine gemeinsame Basis. Um musikalisch zusammenzufinden, mussten wir uns nicht weit bewegen. Was unsere Vorlieben und Abneigungen betrifft, sind wir uns sehr nah. Und wenn es einmal etwas gibt, bei dem wir nicht einer Meinung sind, dann finden wir recht schnell einen Kompromiss. Es war eine äußerst organische Zusammenarbeit.

Eine klare Botschaft an die Welt

Mit ihrem gemeinsamen Album beziehen Sting und Shaggy auch politisch Stellung und sehen ihre Musik als einen Weg der Hoffnung, einen Weg ins Sonnenlicht. Denn die Vorstellung, dass man Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe oder Religion in großer Zahl einfach des Landes verweisen könne, oder überhaupt nur der Gedanke, ein Mensch an sich könne illegal sein, ist für Sting mit Blick auf die von ihm geliebten USA erschreckend. Ihr gemeinsames Album mache in erster Linie viel Spaß, aber unter der Oberfläche ihrer musikalischen Arbeit gebe es einfach auch eine politische Intention. Dafür findet Sting sehr deutliche Wort:

Sting über das Politische an Musik [29 Sekunden]

Ich denke, dass die Welt politisch gesehen zurzeit ein sehr dunkler Ort ist, ein sehr erschreckender Ort. Meiner Meinung nach hat die Musik eine sehr bedeutende Rolle zu spielen: als eine Stimme der Freiheit, als Vermittlerin von Hoffnung für die Menschen. Sie soll den Leuten ein wenig Sonnenlicht in die Dunkelheit bringen. In der Welt gibt es momentan nur ein Minimum an Führungsqualitäten. Die sogenannten starken Männer, die allerorten in Erscheinung treten, sind in Wirklichkeit gar nicht stark, noch sind sie Männer. Sie sind kleine Jungs im Anzug. Wir leben folglich in erschreckenden Zeiten, aber Musik hat eben eine Rolle zu spielen.

Ein wenig Sonnenlicht in der Dunkelheit

Sting bezieht eindeutig Position, gerade auch in Hinblick auf gesellschaftliche Herausforderungen wie die Massenmigration. Wenn er in einem Land wie Syrien leben müsste, dann würde auch er alles daran setzen, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Es seien grundsätzliche Fragen der Mitmenschlichkeit, die beantwortet werden müssen. Shaggy betont, dass sie beide mit ihrem gemeinsamen Album einen kleinen Beitrag als Musiker für eine bessere Welt geleistet haben. Und wenn es nur ein kleines Lächeln sei, welches sie mit ihren Songs in die Gesichter gezaubert haben :

Sting über die Botschaft des Albums [21 Sekunden]

Es geht um ein bisschen Sonnenschein in der Dunkelheit – also, genießt es einfach! Ich bin der Überzeugung, dass das Grundgefühl auf diesem Album das Gefühl für die Energie ist, die von Freundschaft ausgeht. Man kann spüren, dass Shaggy und ich eine echte Beziehung zueinander aufgebaut haben, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen beruht. Und auf Spaß natürlich, denn wenn wir gesungen haben, dann haben wir dabei gelacht! Ich denke, dass die Platte genau diese Energie überträgt.

Zwei gegensätzliche Charaktere grooven gemeinsam durch ihr Album

Was Shaggy und Sting voneinander haben lernen können, liegt für beide auf der Hand und basiert wieder auf dieser in positive Energie umgewandelten Gegensätzlichkeit, die beide Musiker auszeichnet:

Autor/-in: Sting & Shaggy
Länge: 54 Sekunden
Datum: Montag, 23. April 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Sting: „Wir haben viele Gemeinsamkeiten, aber wir unterscheiden uns bei unserer kreativen Herangehensweise. Normalerweise bin ich sehr zurückhaltend und lasse mir Zeit. Shaggy hingegen ist sehr spontan und absolut offen, wenn er etwas gestaltet. Aus dem Stand kann er Songs entwerfen, was mich ein bisschen neidisch macht. Also war ich gezwungen, ein bisschen spontaner zu sein. Und was ihn betrifft…“ Shaggy: "Wenn er sagt, dass er sehr zurückhaltend ist bei dem, was er künstlerisch macht, dann habe ich von ihm gelernt, bei allem sehr akribisch vorzugehen. Er nimmt Songs grundsätzlich auseinander und setzt sie auf jedwede Weise wieder zusammen. Das hat mich fasziniert, denn er hat immer im Hinterkopf, dass unsere Songs uns bei Weitem überleben werden. Sie müssen also viel besser als nur gut sein. Er hat mir wirklich beigebracht, beim Aufbau der Musik ein wenig penibler zu sein und alles Mögliche auszuprobieren. Damit man sicher sein kann, dass alles richtig ist.*

Professionelle Entspanntheit auf die Spitze getrieben

Bei Sting und Shaggy groovt und fließt es, es pulsiert und ergeht sich in genießerischem Laid-back-Feeling. Und wie bei zwei solch musikalischen Hochkarätern nicht anders zu erwarten, entfalten sich unter ihrer durchsonnten Oberfläche Tiefgang und Ernsthaftigkeit. Einer ihrer Songs, das ein wenig nach Bruce Springsteen klingende “Dreaming In The U.S.A.“, ist laut Sting “a love letter to America“ – an das positive und tolerante Amerika, welches Mauern nicht nötig habe. In “Just One Lifetime“ erzählen Shaggy und Sting zwischen den Zeilen die Geschichte ihrer Gemeinsamkeiten und wie sie als Künstler zusammengefunden haben.

Der kontrollierte Engländer und der impulsive Jamaikaner haben musikalisches Feeling im kleinen Finger und ihre „Vibes“ stimmen. Immer noch erfreuen sich die beiden so unterschiedlichen und doch auf derselben Wellenlänge liegenden Musiker am Ergebnis ihrer gemeinsamen Kreativität. Aber beide sind sich der Einzigartigkeit ihres Albums “44/876“ bewusst.

Eine gemeinsame Tour können sie sich zwar durchaus vorstellen, aber ihr engmaschiger Terminkalender müsse dies erst einmal zulassen:

Sting über die Einzigartigkeit des Projekts [26 Sekunden]

Schon die Idee des Ganzen war für alle eine Überraschung. Es ist auch für uns eine Überraschung, und das ist auch eine Erklärung für die Energie, die von diesem Projekt ausgeht. Niemand konnte vorhersehen, dass Shaggy und Sting zusammenarbeiten würden. Und die Ergebnisse bargen manche Überraschung. Eine erneute Zusammenarbeit jedoch wäre für uns vielleicht gar keine Überraschung mehr. Für uns muss es aber eine Überraschung sein. Sicherlich genießen wir unser Miteinander und treiben dieses Projekt so weit voran wie möglich. Aber ich glaube nicht, dass wir nun Zeit unseres Lebens zusammengeschweißt sind.

Sting lebt in New York, fühlt sich dort zu Hause, ist im Herzen aber immer noch Engländer. Ähnlich liegt es bei Shaggy, der sich auf Jamaika ebenso wie in New York heimisch fühlt. Zusammenfassend stellt Shaggy aber klar: „We are citizens of the world.“ Beide – Sting und Shaggy – plädieren für eine offene Welt ohne Grenzen, so wie ihre Musik dies vorlebt. Und wenn wir die kongeniale Verschmelzung von Kingston und New York zum Maßstab machen, dann sollte das auch im täglichen Leben gelingen – mit den richtigen „Vibes“!

Christian Höltge

Albumdaten:

Sting & Shaggy: ”44/876”
UMI/ A&M
EAN: 9705800134276
VÖ: 20. April 2018
Die Songs
TitelDauer
44/876 [feat. Morgan Heritage & Aidonia]3:00
Morning Is Coming3:11
Waiting For The Break Of Day3:18
Gotta Get Back My Baby2:56
Don't Make Me Wait3:35
Just One Lifetime3:30
22nd Street4:00
Dreaming In The U.S.A.3:08
Crooked Tree3:37
To Love And Be Loved3:29
Sad Trombone5:43
Night Shift3:26

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 23. April 2018, 16:40 Uhr

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