Livestream

Bremen Eins Musik Album der Woche

Album der Woche

Mike & The Mechanics "Let Me Fly"

21. April 2017

Gut gemachten Mainstreampop mit eingängigen Melodien präsentieren uns Mike & The Mechanics auf ihrem am 7. April veröffentlichten Album "Let Me Fly". Die beiden Sänger Andrew Roachford und Tim Howar sind mittlerweile seit über sechs Jahren mit von der Partie und drücken den klangschönen Songs ihren stimmlichen Stempel auf.

Ausschnitt aus "Wonder" vom neuen Album "Let Me Fly" von Mike & The Mechanics.

Autor/-in: Mike & The Mechanics
Länge: 29 Sekunden
Datum: Freitag, 21. April 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Not Out Of Love [29 Sekunden] High Life [29 Sekunden] Let Me Fly [29 Sekunden] I'll Be There For You [30 Sekunden]

Mike & The Mechanics existieren in wechselnder Besetzung bereits seit 32 Jahren – eine halbe Ewigkeit im schnelllebigen Popgeschäft. Die zwölf neuen Songs ihres achten Albums sind aus den Liveauftritten der aktuellen Besetzung von Mike & The Mechanics heraus entstanden, wie Chefmechaniker Mike Rutherford erzählt:

Mike Rutherford über die Entstehung des Albums [15 Sekunden]

Ich weiß nicht, wo diese Entscheidung gefallen ist. Es ist einfach passiert, weil wir schon so lange zusammenspielen – seit unserem ersten gemeinsamen Album müssen das bis heute sechs Jahre gewesen sein. Wir haben ganz schön viele Liveshows gespielt und nichts als Musik gemacht. So wurde es für uns Jungs Zeit, neue Songs zu spielen. Wir haben damit vor ein paar Jahren begonnen.

Kreatives Potenzial für ein weiteres Bandprojekt

Rutherford hatte Mike & The Mechanics 1985 als Bandprojekt parallel zu seiner Arbeit bei Genesis gegründet. Er betrachtete dieses von Beginn an als Ergänzung seiner musikalischen Tätigkeit bei den britischen Superstars, nicht als Konkurrenzprodukt. Schließlich wandelten ja auch seine Genesis-Kollegen Peter Gabriel und Phil Collins auf Solopfaden. Rutherfords kreatives Potenzial verlangte einfach ein weiteres Betätigungsfeld. Das ist bis heute so geblieben, denn das Songwriting liegt Mike Rutherford einfach im Blut:

Mike Rutherford über sein Songwriting [14 Sekunden]

Ich kann immer ein bisschen schreiben und genau so habe ich das gemacht, nachdem Paul Young uns verlassen hatte und Carrack und ich das erst einmal verarbeiten mussten. Ich habe also einige Songs geschrieben und dabei gedacht: 'Das sind Mechanics-Songs! Warum schaue ich nicht einmal, wo mich das Songwriting hinführt?' So wie beim ersten Album. Und dann kamt Ihr zwei (Andrew Roachford & Tim Howar) dazu und das war's!

Der Sänger von Johnny Hates Jazz als Impulsgeber

Als Glücksfall für Mike & The Mechanics entpuppte sich die Zusammenarbeit mit Clark Datchler, dem Sänger der britischen Band Johnny Hates Jazz. Den Kontakt zu Datchler hatte ein Freund Mike Rutherfords, der Musikproduzent Brian Rawling, hergestellt. Es war fast so etwas wie eine Songwriting-Liebe auf den ersten Blick, denn Datchler konnte für das aktuelle Album "Let Me Fly" entscheidende musikalische Impulse setzen, erinnert sich Rutherford:

Mike Rutherford über die Herangehensweise ans neue Album [33 Sekunden]

Diesmal wollten wir anders an unser Album herangehen. Wir sind also nicht losgezogen, um 12 bis 14 Songs aufzunehmen, sondern haben mehr Zeit mit dem Songschreiben verbracht. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass mit Brian Rawling und seinen Jungs von den Metrophonic Studios jemand an Bord kam, der sich vier oder fünf Songs angesehen und die Songwriting-Messlatte angehoben hat. Er holte mit Clark Datchler, der dem Album großen Input gegeben hat, ein neues Gesicht dazu. Das Schreiben der Songs war also das Wichtigste. Dementsprechend sind wir nicht ins Studio gegangen, sondern mit den ersten neu geschriebenen Songs weiterhin auf Tour gewesen. Das hat sich für uns genau richtig angefühlt.

Ihrer musikalischen Linie treu geblieben

Sänger Andrew Roachford sieht das ähnlich. Er und seine Bandkollegen fühlen sich mit ihren zeitlosen Melodien von teils exquisiter Schönheit sehr wohl. Mike & The Mechanics sind im Wesentlichen ihrer musikalischen Linie treu geblieben, die sie mit dichten Keyboard- und Gitarrenteppichen auspolstern. Den Songs auf "Let Me Fly" hört man an, dass sie von einer musikalischen Selbstverständlichkeit getragen werden, die nur entstehen kann, wenn man ständig gemeinsam auf der Bühne steht:

Andrew Roachford über die Entwicklung der Band [16 Sekunden]

Wir haben uns definitiv weiterentwickelt. Bei unserem ersten gemeinsamen Album, das ich sehr mag, waren wir noch dabei herauszufinden, wo unsere jeweiligen Extreme und Schwächen und so weiter lagen. Bei diesem Album ist es tatsächlich so, dass man eine Entwicklung spürt und hört, die dadurch stattgefunden hat, dass wir seit sechs Jahren gemeinsam auf Tour sind.

Ein reichhaltiges musikalisches Menü

Die neuen Songs von Mike & The Mechanics sind ein echtes Gemeinschaftsprodukt. Mike Rutherford und seine Mitstreiter haben sich die Demos hin- und hergeschickt und dabei bewusst auf gemeinsame Studiosessions verzichtet. Wie ein reichhaltiges Menü ist "Let Me Fly" nach und nach aus den einzelnen Zutaten entstanden. Jeder der musikalischen Köche wusste, was zu tun ist, erzählen Tim Howar und Mike Rutherford:

Tim Howar & Mike Rutherford über die Entwicklung der Songs [33 Sekunden]

Wer auch immer etwas Neues hatte, zeigte es vor. Das waren mal Clark und Andrew, mal Clark und Mike oder Clark und ich selbst. Und immer, wenn wir wirklich mehr Köche in der Küche benötigten, haben wir welche dazu geholt. Mike hat die Ohren, um festzulegen, wo noch etwas Außergewöhnliches dazu muss. Wir haben die Songs sich selbst entwickeln lassen." Rutherford: "Wir sind sozusagen zu den allerersten Alben zurückgekehrt, bei denen wir die Demos nach und nach mit Beats, Loops und Gitarren versehen haben. Das war eine gute Orientierungshilfe für den Gesang. Auf diese Weise haben wir die Songs allmählich aufgebaut, anstatt wieder ins Studio zu gehen. Ich denke, das hat dem Ganzen mehr Charakter verliehen.

Musikalisch relevant bleiben

Keine Halbheiten, lautete die unausgesprochene Vorgabe der musikalischen Mechaniker. Es sei eine stete Herausforderung, relevant zu bleiben, gibt Rutherford zu. Der Schlüssel zum Erfolg ihrer neuen Songs liegt laut Andrew Roachford im gegenseitigen Verständnis, im gemeinsamen Musizieren:

Andrew Roachford über seine Entwicklung als Songwriter [19 Sekunden]

Wir lernen viel voneinander, sogar jemand wie ich, der seine eigenen Bandsachen macht. Aber seit ich diese Jungs getroffen habe, hat sich meine Art zu schreiben definitiv verändert und sich voranbewegt. Musikalisch habe ich eine Menge gelernt. Man lernt die Linie, aber auch die Grenzen der anderen kennen, weil wir uns im selben Umfeld bewegen, so viel Zeit miteinander auf Tour und im Studio verbringen.

Der Titelsong steht fürs ganze Album

Der Titelsong des Albums "Let Me Fly" beinhaltet all das, was für Mike Rutherford und seine Mechaniker wichtig ist. "Oh let me fly, if I don't try I will never know", singt Andrew Roachford darin. Der auf dem Cover abgebildete Base-Jumper scheint diese Schwerelosigkeit über den Wolken erreicht zu haben. Dass er für das Foto von einem simplen Trampolin abgesprungen ist, sollte dabei niemanden interessieren. Da ergeben sich zwangsläufig Parallelen zur Entstehung des Songs "Let Me Fly", für Mike Rutherford die Nummer eins seines aktuellen Albums:

Mike Rutherford über den Titeltrack [28 Sekunden]

Mein Lieblingssong ist wohl der Titeltrack "Let Me Fly", was an zwei Dingen liegt: Dieser Song war die erste Sache, die wir zusammen unter Federführung von Clark Datchler gemacht haben, am ersten Tag, in den ersten paar Stunden! Und die andere Sache ist die, dass wir diesen Song im vergangenen Jahr live gespielt haben; Andrew hat ihn jede Nacht fantastisch gesungen! Wir haben das erst gar nicht aufnehmen können, es hat irgendwie niemals gepasst. Bis eines Tages mein Sohn Harry uns bei der Produktion half und Andrew den gesamten Gesangspart wie auf Knopfdruck einfach mal so heruntergesungen hat. Bei diesem einen Take ist es dann auch weitgehend geblieben.

Opulentes Popkino mit weicher Polsterung

Es sind schlicht und ergreifend gut gemachte Popsongs, aufgebaut auf markanten melodischen Motiven und dazu mit einem gehörigen Schuss Melancholie versehen, die Mike & The Mechanics auf "Let Me Fly" aneinandergereiht haben. Der sehr dicht geschichtete Sound bietet opulentes Popkino mit weicher Polsterung. Für Mike Rutherford und Andrew Roachford überwiegt trotz der dunkleren Tönungen die positive Anmutung ihres neuen Albums, so wie es der Song "The Best Is Yet To Come" ausdrücken möchte. Das entspricht genau der Haltung Rutherfords, der von sich selbst sagt, er plane nicht langfristig, sondern schaue jetzt erst einmal, wie "Let Me Fly" ankommen werde. Das Weitere ergebe sich dann:

Mike Rutherford & Andrew Roachford über den Charakter des Albums [20 Sekunden]

"Ich meine, dass drei oder vier Songs sehr positiv sind, sie richten mich auf". - Roachford: Mich richten sie ebenfalls auf. Es ist leicht, zynisch zu sein, weil man älter wird. Wir haben auf diesem Album aber unsere positive Einstellung beibehalten. Es gibt natürlich auch einige Tracks über Beziehungen, die von der Stimmung her etwas dunkler sind, die auch gut funktionieren, aber grundsätzlich ist es für mich ein ziemlich erbauliches Album.

In den Songs abheben und dennoch wieder auf dem sicheren Boden der Popmusik ankommen, wie der Base-Jumper auf dem Albumcover, das scheint offensichtlich das gelungene Rezept von Mike & The Mechanics auf "Let Me Fly" zu sein.

Autor: Christian Höltge

Mike & The Mechanics: "Let Me Fly"
BMG Rights Management
EAN: 4050538268645
VÖ: 07.04.2017

Die Songs
TitelLänge
Let Me Fly4:42
Are You Ready?4:27
Wonder4:36
The Best Is Yet to Come4:00
Save the World4:42
Don't Know What Came Over Me4:20
High Life2:49
The Letter4:55
Not Out of Love4:18
Love Left Over3:27
I'll Be There for You3:31
Save My Soul4:49
Auf Tour in Deutschland
DatumOrt
7. SeptemberDresden, Schlachthof
17. SeptemberMünchen, Muffathalle
18. SeptemberMainz, Halle 45
20. SeptemberEssen, Lichtburg
21. SeptemberBerlin, Colombiahalle
22. SeptemberLeipzig, Haus Auensee
24. SeptemberKöln, Gloria
25. SeptemberMannheim, Rosengarten
26. SeptemberStuttgart, Theaterhaus T1
28. SeptemberHannover, Theater am Aegi
29. SeptemberHamburg, Laeiszhalle
30. SeptemberMagdeburg, Stadthalle

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Abend, 24. April 2017, 20 Uhr

Musik