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Album der Woche

Amy Macdonald "Under Stars"

17. Februar 2017

Wenn Amy Macdonald zum wiederholten Male gefragt wird, was sie denn die vergangenen viereinhalb Jahre seit ihrem letzten Album gemacht habe, reagiert sie mit freundlichem Erstaunen: Sie sei intensiv auf Tour gewesen und habe neue Songs geschrieben. Das aktuelle Ergebnis steht seit dem 17. Februar zum Verkauf, heißt "Under Stars" und kann sich hören lassen. Musikredakteur Christian Höltge hat es sich angehört und sprach mit Amy Macdonald über ihr neues Album.

Auschnitt aus dem Song "Automatic" vom neuen Album "Under Stars" von Amy Macdonald.

Länge: 29 Sekunden
Datum: Montag, 20. Februar 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Under Stars [29 Sekunden] Down By The Water [26 Sekunden] Never Too Late [30 Sekunden] Dream On [30 Sekunden]

Elf energiegeladene und melodisch ungemein eingängige Songs präsentiert uns die schottische Musikerin auf ihrem aktuellen Album. Das Ganze kleidet Amy Macdonald mit ihren Bandkollegen in ein dynamisches Poprock-Gewand.

Immer noch erstaunt angesichts ihrer Karriere

Amy Macdonald, die im Alter von 29 Jahren bereits auf eine zehnjährige ungewöhnliche Musikerkarriere zurückblicken kann, hat sich immer noch ihre Unbefangenheit gegenüber dem, was mit ihr geschieht, bewahren können. Diese Bodenhaftung ist ihr wichtig und wird damit quasi zum Schlüssel für die Ehrlichkeit ihrer Musik:

Amy Macdonald über ihre Musikerkarriere [24 Sekunden]

Es ist schon ein bisschen verrückt. Ich kneife mich immer noch, wenn ich meine Songs im Radio höre. Und es ist immer noch richtig aufregend für mich, dass ich die Möglichkeit habe, auf der Bühne aufzutreten. Für mich ist es also erstaunlich, dass ich diesen verrückten Job und dieses verrückte Leben habe. Und noch erstaunlicher ist es, dass ich das mittlerweile die letzten zehn Jahre über gemacht habe. Aber ich denke nicht, dass ich mich jemals völlig daran gewöhnen werde, da es sich immer noch nicht real anfühlt.

Ein "verrücktes" Leben

In der Rückschau scheinen die Jahre zwischen ihrem letzten Album "Life In A Beautiful Light" und dem nunmehr vierten Album "Under Stars" wie im Zeitraffer am inneren Auge der Singer-Songwriterin vorbeizulaufen:

Amy Macdonald darüber, was seit 2012 geschehen ist [38 Sekunden]

Es hat sich nichts massiv geändert. Seit ich mein letztes Album 2012 veröffentlicht habe, bin ich damit bis 2014 auf Tour gewesen. In jenem Jahr war ich sehr mit großen Auftritten beschäftigt. 2015 habe ich Songs geschrieben und sie 2016 aufgenommen. Und jetzt, 2017, bin ich bereit, diese zu veröffentlichen. Ich habe versucht, wie normale Leute nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Ich selbst habe mich nicht wirklich verändert, es hat in meinem Leben keine grundlegende Veränderung stattgefunden. Ich freue mich einfach, dass das verrückte Leben aus Herumreisen und Auftritten wieder losgeht und wir erneut auf Tour gehen.
Amy Macdonald [Quelle: Universal Music 2016]
Amy Macdonald [Quelle: Universal Music 2016]

Amy Macdonald hat schon im Alter von zwölf Jahren begonnen, Akustikgitarre zu lernen. Wenn sie dann mit ihren Freunden zusammen spontan Songs spielte, bei denen ihre musikalischen Vorbilder Travis und Peter Doherty hießen, war ihr schnell klar, dass sie Musikerin werden wolle. Die richtige Entscheidung, startete sie doch 2007 mit ihrem Debütalbum "This Is The Life" richtig durch. Mehr als drei Millionen Verkäufe, die Nummer Eins der UK-Album-Charts und mehrfacher Platin-Status sprechen für sich.

Fachfrau für Ohrwürmer

Was die Musik dieser außergewöhnlichen Sängerin auszeichnet, ist ihre unaufgesetzte Eindringlichkeit, die uns sofort einfängt und mitnimmt. Mit hellwachem Blick und gespitzten Ohren nimmt Amy Macdonald, diese Fachfrau für Ohrwürmer, ihre Umwelt wahr und bezieht daraus ihre Songideen:

Amy Macdonald Album Interview Under Stars [26 Sekunden]

Inspiration kann von überall herkommen. Ich habe keine feste Formel, an die ich mich halten kann. Ich kann mich von allem und jedem inspirieren lassen. Von Geschichten, die Freunde mir erzählen, von Dingen, die ich erlebt habe oder die mir einfach passiert sind. Es kann wirklich alles sein. An jedem Tag meines bisherigen Lebens bin ich eine Beobachterin gewesen. Ich kann stundenlang in einem Café sitzen und die Welt an mir vorüberziehen lassen. Ich halte das für sehr inspirierend.

Songs zum ersten Mal nicht allein geschrieben

Mit ihrem neuen Album "Under Stars" bleibt Amy Macdonald sich musikalisch zwar treu, dennoch gibt es eine entscheidende Veränderung: Zum ersten Mal überhaupt hat sie ihre Songs nicht komplett allein geschrieben, sondern sich dazu mit ihrem Bassisten Jimmy Sims und dessen Freund Ben Parker, der in ihrer Band bisweilen die Gitarre spielt, zusammengetan. Es sei eine perfekte Arbeitssituation mit echten Freunden gewesen, stellt die selbstbewusste Sängerin fest:

Amy Macdonald übers Songwriting mit ihren Bandkollegen [27 Sekunden]

Zum ersten Mal habe ich mit Bandkollegen zusammen geschrieben. Für meine früheren Alben habe ich alles allein geschrieben – nur ich und eine Akustikgitarre. Aber mit Kollegen aus meiner Band gemeinsam zu schreiben, bedeutete, dass wir in der Lage waren, die Songs nach und nach zu entwickeln. Ich denke, dass diese somit auf natürliche Weise vielleicht bedeutender geworden sind, sie gehen mehr voran und beinhalten mehr Spannung. Grundsätzlich sind es immer noch meine Songs und sie klingen immer noch wie Songs, die ich singen würde. Aber sie sind vielleicht ein, zwei Schritte vorangekommen.

Einfache musikalische Bausteinen zu mitreißenden Songs geschmiedet

Aus einfachen melodischen Bausteinen entwickeln Amy Macdonald und ihre Koautoren eingängige, klangschöne und bisweilen mitreißende Melodien. Das ist Songwriting vom Feinsten. Die schottische Sängerin bevorzugt vorantreibenden Drive, auf welchen ihre intensive Stimme mühelos aufsattelt. Zwischendurch bremst ihre Musik immer wieder ein wenig ab, um dann gleich wieder Fahrt aufzunehmen. Eine durchweg positive Energie durchströmt das Album "Under Stars" wie ein erfrischender Rückenwind. Und wenn Amy Macdonald sich verhalteneren Tönen zuwendet wie in "Down By The Water" mit seinem Gospelfeeling, dann bleibt ihre brodelnde Energie unter der dunkleren Oberfläche immer noch deutlich spürbar. In einer Ballade wie "Never Too Late" gelingen ihr sogar regelrecht zu Herzen gehende Momente, die sie durch den feindosierten Einsatz von Klavier und Streichern zusätzlich verstärkt. Mit "From The Ashes" findet Amy Macdonalds aktuelles Album zu seinem hymnenartigen krönenden Abschluss.

Dem eigenen Stil treu geblieben

Was den ganz eigenen Charme und damit auch den großen Erfolg der Musik Amy Macdonalds ausmacht, liegt in der Tatsache begründet, dass sie sich selbst und ihrem Musikempfinden treu geblieben ist. Auch wenn "Under Stars" mit recht druckvollen Songs aufwartet, so entströmt diesen doch durchgängig der Sound Amy Macdonalds aus jeder Pore:

Amy Macdonald über ihrenMusikstil [26 Sekunden]

Manchmal betonen Leute nachdrücklich, dass sie ihren Stil geändert und etwas vollkommen anderes gemacht haben. Aber so bin ich nicht. Ich mag es einfach, Songs zu schreiben, die mir auf natürliche Weise einfallen; Songs, die ich ihren eigenen Kurs nehmen und mit ihren Sounds dahin gehen lassen kann, wo sie hin sollten. Ich versuche niemals, einen bestimmten Weg zu nehmen oder in einem bestimmten Stil zu schreiben. Das ist die Aussage dieses Albums.

Bei Amy Macdonald spielt folglich ihre Intuition eine große Rolle. Das gilt auch für die gemeinsame Entwicklung von Songideen sowie für die Aufnahmen. Für Letztere zeichnen der Engländer Cameron Blackwood, welcher unter anderem George Ezra musikalisch auf den Weg gebracht hat, sowie das Produzentenduo "My Riot" verantwortlich:

Amy Macdonald über die Arbeit im Studio [41 Sekunden]

Weil ich einige der neuen Songs zusammen mit meinen Bandkollegen geschrieben habe, konnten wir Demos mit einem sehr hohen Niveau produzieren. Das liegt daran, dass sie alle großartige Musiker sind, die ihre Instrumente aus dem Effeff beherrschen. Wir stellten also hochklassige Demos her, nicht mehr wie bisher nur aus akustischer Gitarre und Singstimme bestehend, sondern in ihrem Ablauf fast vollständig. Als wir dann mit den Produzenten ins Aufnahmestudio gegangen sind, war dem, was wir bereits hatten, nur noch wenig hinzuzufügen. Wir haben die Songs ein bisschen aufgemöbelt. Wir haben den Rhythmus noch einmal aufgenommen, damit er noch schöner klingt. Das war aber kein sehr komplizierter Prozess.

Ein Sound, der ins Ohr geht

Soundmäßig können Amy Macdonald und ihre Band in ihrem aktuellen Album "Under Stars" schon gehörig aufdrehen. Klanglich weniger druckvolle Momente führen aber immer wieder zu Macdonalds melodiebasiertem Wohlklang zurück. Die Produktion arbeitet mit einem gefühlvoll dosierten Hall und bewältigt den Spagat zwischen einem dichten Sound und Durchhörbarkeit gut. Lediglich die Single "Dream On" klingt etwas wolkig und schert dadurch aus dem Gesamtklang des Albums aus.

Amy Macdonald ist unangefochtener Kopf ihrer Band, das hört und sieht man an ihrer Bühnenpräsenz. Sie lebt ihre Musik und möchte, dass diese sich mit ihrem Sound nachhaltig in den Köpfen ihres Publikums festsetzt:

Amy Macdonald über ihren individuellen Sound [23 Sekunden]

In der Regel geht er ins Ohr. Ich gebe mein Bestes, Songs zu schreiben, welche die Leute nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ich denke, das ist vielleicht das Besondere an mir. Ich wollte immer schon Songs schreiben, die sich in den Köpfen festsetzen. Die Leute sollen ihren Takt mit dem Fuß klopfen. Das ist wahrscheinlich das, was ich immer zu erreichen versucht habe. Es ist nicht immer einfach, solch einen Song zu schreiben, aber meistens versuche ich genau das.

Die musikalische Unmittelbarkeit ist entscheidend

Die aktuelle Single "Dream On" ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Musik Amy Macdonalds funktioniert. Als die Band diesen Song auf einem Schweizer Festival als neues Stück angekündigt hatte und dann zu spielen begann, tanzte und sang das Publikum spontan mit. Diese musikalische Unmittelbarkeit ist genau das, was den Stil der schottischen Musikerin auszeichnet:

Amy Macdonald über die Single "Dream On" [32 Sekunden]

Ich schreibe und nehme niemals mit einer bestimmten Absicht auf. Der Weg, auf dem ein Song sich entwickelt, ist einfach eine sehr natürliche Sache. Ich schreibe einfach den Text und den Song und danach gibt es nur noch sehr wenig hinzuzufügen, von dem ich meine, dass der Song es haben müsse. Ich versuche also niemals, etwas auf eine bestimmte Weise zu machen oder einen besonderen Stil zu verfolgen. Es muss sich in jenem Moment einfach gut anfühlen. Dieser Song hat sich richtig gut angefühlt und für mich war er die großartige erste Single, mit welcher wir das neue Album willkommen heißen können.

Kraftvoller und intensiver Gesang

Amy Macdonald singt sehr kraftvoll und intensiv. Mit ihrer gereiften, leicht kehligen Stimme springt sie gerne zwischen den verschiedenen Tonlagen hin und her. Die bekennende Ferrari-Liebhaberin besitzt ein unverwechselbares Timbre, das sich in die Ummantelung durch das dichte Instrumentalgewebe ihrer Band mühelos und mit vibrierender Intensität einfügt.

Ganz mit ihrer Musik verwachsen geht die schottische Künstlerin vollständig in ihrem Tun auf. Sie nimmt ihre Karriere an, ohne abzuheben und schaut ganz gelassen auf die Tatsache, dass sie ihren persönlichen Weg nicht suchen musste, sondern einfach entlanggegangen ist. Nicht als Getriebene und ohne den Druck, sich selbst neu erfinden zu müssen:

Amy Macdonald darüber, ob sie sich als Persönlichkeit verändert habe [25 Sekunden]

Nein, weil das wirklich der einzige Job ist, den ich bisher gehabt habe. Ich mache das mittlerweile seit zehn Jahren. Ich bin in alles als die Person hineingewachsen, die ich schon mit meiner Musik gewesen bin, seit ich als Teenager damit begonnen habe. Natürlich werden die Leute erwachsen und verändern sich. Aber ich habe schon immer diesen Job gemacht und der Entwicklungsprozess, das sage ich mir selbst, hat sich nicht wirklich verändert.

Nicht im Mittelpunkt der eigenen Songs

Bei aller Intensität ihrer Musik, stellt Amy Macdonald sich nicht in den Mittelpunkt ihrer Songs. Mit ihren Koautoren hat sie vereinbart, nichts über die Maßen Persönliches oder Intimes hineinfließen zu lassen. Das ist auch dem Bewusstsein dieser hellwachen Künstlerin dafür geschuldet, dass ihre Rolle als Weltstar eine sehr privilegierte ist:

Amy Macdonald darüber, ob ihre Songs Persönliches beinhalten [24 Sekunden]

Nicht wirklich; ich habe niemals viele Songs über mich selbst geschrieben. Umso mehr, als mein Leben nichts ist, was andere so leicht nachempfinden können. Mir ist klar, dass ich kein ganzes Album übers Herumtouren, übers Unterwegssein schreiben möchte, weil das etwas ist, was nicht viele in ihrem Leben tun. Ich ziehe es bei Weitem vor, die Welt um mich herum zu beobachten und daraus meine Inspiration zu schöpfen.

Mit beiden Beinen am Boden geblieben greift dieser schottische Shooting Star musikalisch ganz weit nach oben."Under Stars" breitet ein gleichzeitig Wärme und Energie ausstrahlendes musikalisches Firmament über uns aus, in dessen Weite Amy Macdonalds unverwechselbare Stimme uns mitnimmt. Die viereinhalb Jahre Wartezeit haben sich für diese musikalische Reise zu den Sternen wahrlich gelohnt!

Christian Höltge

Amy Macdonald: ”Under Stars”

UMI/ Vertigo
EAN: 9705800170168
VÖ: 17. Februar 2017
TitelLänge
Dream On3:19
Under Stars3:41
Automatic3:16
Down By The Water3:27
Leap Of Faith3:03
Never Too Late4:06
The Rise & Fall3:13
Feed My Fire3:15
The Contender3:35
Prepare To Fall4:28
From The Ashes3:36
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