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Album der Woche

Chris Rea "Road Songs For Lovers"

1. Oktober 2017

Erdigen Blues-Rock, sanfte Balladen, jazzige Harmonien und sein unnachahmliches Laid-back-Feeling verknüpft Chris Rea auf seinem neuen Album “Road Songs For Lovers“ zu einem akustischen Road-Movie. Im besten Sinne unspektakuläre Melodien veredelt der britische Künstler mit seiner rauchigen Stimme und seinem unverkennbaren Gitarrenspiel zu vielfarbig schimmernden Klangperlen.

Hörprobe aus dem Song "Happy On The Road" vom Album "Road Songs For Lovers" von Chris Rea.

Autor/-in: Chris Rea
Länge: 28 Sekunden
Datum: Montag, 2. Oktober 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Road Songs For Lovers [30 Sekunden] Angel Of Love [30 Sekunden] Two Lost Souls [28 Sekunden] Rock My Soul [27 Sekunden]

Chris Rea, dieser vielseitig begabte Musiker, Maler, Filmemacher und Komponist, muss niemandem mehr beweisen, welche Qualitäten in ihm stecken. Er lässt seine Songs für sich sprechen. Nicht auftrumpfend, sondern mit der selbstbewussten Gelassenheit eines Musikers, der genau weiß, was er tut. Seine weltweit über 30 Millionen verkauften Alben sprechen schließlich für sich. Die zwölf Songs seines am 29. September 2017 veröffentlichten Albums erzählen von Chris Reas Reiseleidenschaft, von Liebe und Verlust, vom Ankommen und Loslassen.

Eine stilsichere Mischung

Dabei belässt es der bekennende Motorsportliebhaber nicht nur bei sanft pulsierend dahingleitenden Nummern wie dem titelgebenden “Road Songs For Lovers“ oder unter die Haut gehenden Balladen wie “Angel Of Love“. Er gönnt sich mit dem Song “Money“ auch den kantigen Blues, den er mit einem ausgedehnten Gitarrensolo krönt. Wie sich der Song “Last Train“ vom lautmalerischen Intro mit Becken und Gitarre zu einem bläsergesättigten Kracher aufschwingt, ist genauso beeindruckend wie die federnde Gelassenheit von “Rock My Soul“. Es ist eine stilsichere Mischung aus Bluesrock und Pop, garniert mit Jazzfeeling, einer Prise Soul und Gospel-Touch, die uns der britische Erfolgsmusiker mit seinen ausschließlich selbst geschriebenen Songs auf “Road Songs For Lovers“ anbietet. Grundsätzlich ist an diesem Album aber etwas anders, stellt Chris Rea fest:

Chris Rea über die Entstehung des Albums [27 Sekunden]

Das Komische an diesem Album ist, dass es keine Eingebung gab im Sinne von ‚Lasst uns eine Platte machen!‘ Es war gar nicht als Platte geplant. Unter medizinischen Gesichtspunkten hatte ich ein wirklich schlechtes Jahr hinter mir und war ganz bestimmt kein fröhlicher Knabe. Und dann saß ich da vor meiner neuen Computerausstattung, die für mich wirklich eine komplett neue Sache ist, und begann Songs zu schreiben, von denen ich annahm, dass niemand sie jemals anhören würde. Es war ja wie gesagt keine Platte in Planung. Ich denke, dass macht bei diesem Album den Unterschied aus.

Die Straße als Sehnsuchtsort

Keine Zwänge, ein Album zu machen, kein Druck, die geforderten Songs zu liefern: So schrieb Chris Rea sich zum wiederholten Mal das von Seele, was ihn beschäftigt, und genau dies zeichnet “Road Songs For Lovers“ aus. Die Straße scheint für den Musiker mit dem zerfurchten Gesicht ein geradezu mystischer Ort zu sein, eine Chiffre für den Lebensweg, fürs Loslassen, indem man sich ihrem Verlauf hingibt: “All things that hurt me, disappear without a trace“, singt er auf seiner zweiten Singleauskopplung “Happy On The Road“, um dann noch bestätigend hinzuzufügen: “I’m always happy at the wheel, I see it all go driftin‘ by“. Schon in seinem Film von 1996 “La Passione“, bei welchem Chris Rea als Autor, Komponist und Produzent tätig war, sind die Faszination fürs Fahren und der Verlauf der Lebensbahn eng miteinander verwoben. Chris Rea selbst hat ja als Musiker konsequent seine Straße verfolgt, indem er sich von Beginn an den Vorstellungen der Musikindustrie entzog. Nicht umsonst gab er seinem 1978er Debütalbum den Titel “Whatever Happened To Benny Santini?“ – ein kleiner Seitenhieb auf den für ihn vorgesehenen Künstlernamen Benjamin Santini. Der 1951 in Middlesbrough im Nordwesten Englands geborene Sänger hatte mit seiner Single “Fool (If You Think It’s Over)“ zunächst Charterfolge in den USA. Das Publikum seines Heimatlandes hatte Chris Rea spätestens mit seinem 1985 veröffentlichten Album “Shamrock Diaries“ in der Tasche. Der seiner Frau Joan gewidmete Song “Stainsby Girls“ sowie das für seine Tochter geschriebene “Josephine“ brachten die britischen Herzen zum Schmelzen.

Aus positiven Bildern sind Songs entstanden

Beinahe aus der Kurve getragen wurde Chris Rea vor 17 Jahren, als bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde. Er besiegte seine schwere Krankheit und goss seine Erfahrungen musikalisch in ein Album mit dem bezeichnenden Titel “Stony Road“. Es war für ihn das Album eines Mannes, "dem gesagt wurde, dass er sterben würde“: Schon wieder treffen wir auf die Straße - Chris Reas Straße – deren Pflaster nun auch eine deutliche Bluesnote trägt: "Ich war nie ein Rock- oder Popstar. Die Krankheit gab mir die Chance das zu tun, was ich schon immer wollte.“

Für die Lieder seines aktuellen Albums “Road Songs For Lovers“ haben überwiegend positive Bilder Pate gestanden. Wie das vor sich gegangen ist, erläutert der mit seinem neuesten Werk sichtlich zufriedene Musiker:

Autor/-in: Chris Rea
Länge: 21 Sekunden
Datum: Montag, 2. Oktober 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Bei vielen Songs beginnt man mit einem Bild, das man vor Augen hat. Eine Art kleines Einzelbild, wie man es im Fernsehen gesehen hat oder so ähnlich. Und was man dann vor sich sieht, sind braungebrannte Beine, Füße auf dem Armaturenbrett; einer dieser wunderschönen, glühheißen, von warmem Wind durchwehten Nachmittage, an denen man während seines Urlaubs in seinem Pickup sitzt und abseits der Straße fährt.

Romantiker mit heiserer Stimme

Mit seinem Anfang 2017 in den Londoner Metropolis Studios aufgenommenen Album “Road Songs For Lovers“ befährt Chris Rea nun eine Straße, die keine seiner musikalischen Facetten auslässt. Seine markante Stimme erzählt vom Leben, ohne marktschreierisch aufzudrehen. Es sind dann auch die leisen, fast in sich gekehrten Töne, die eine Gänsehaut erzeugen können und mit ihrer wohligen Entspanntheit einen schönen Kontrapunkt zu den zupackenden Bluesrock-Nummern des Albums setzen. Letztere jedoch holt Rea mit den für seinen Musikstil typischen Harmoniewendungen dann auch wieder aus der reinen Blues-Ecke heraus. Am Beispiel der Single “The Road Ahead“ ist dieses Stilmittel besonders gut zu hören. Er habe seine eigene Definition des Blues, hat Chris Rea bereits in einem Interview mit dem Reutlinger Generalanzeiger festgestellt:

Ich bin der Ansicht, der Blues darf nicht auf der Stelle treten. Er erlebt eine konstante Evolution. Das beste Beispiel dafür ist Jimi Hendrix. Ein großartiger Bluesgitarrist, aber mit den alten Delta-Bluesern hatte er nichts am Hut. Ich selbst bin irisch-italienischer Herkunft und spiele meine eigene Version des Blues. Es gibt immer welche, die meinem, man müsse den Blues so spielen wie die Alten aus Chicago. Aber Blues ist vor allem ein Gefühl. Man kann nicht die Gefühle anderer Leute kopieren. Ich war niemals in Chicago in den 50ern. Wie kann ich also so spielen wie Muddy Waters oder Willie Dixon?

Songideen aus dem fahrenden Auto

“Road Songs For Lovers“ ist auch ein Album mit Balladen-Schwerpunkt. Das passt aber zu einem Musiker wie Chris Rea, der seine Stimme gar nicht zu erheben braucht, damit man ihm zuhört, und der seine Gitarre mit der Nonchalance eines großen Könners spielt. Dabei klingt das Rezept dieses so vielseitig begabten Künstlers ziemlich simpel: "Meiner Musik konnte nichts Besseres passieren, als mich darauf zu konzentrieren, was mich wirklich interessiert.“ Die Grundzutaten zu seiner Musik sind auch auf “Road Songs For Lovers“ dieselben geblieben. Dabei kommt Chris Rea in diesem Fall auch zugute, dass wieder einige seiner alten Bandgefährten dabei sind: Martin Ditcham am Schlagzeug, der Gitarrist Robert Ahwai sowie Neil Drinkwater an Akkordeon und Klavier.

Mit denen hat er sich in übertragenem Sinne ins Auto gesetzt. Dort, so erläutert Chris Rea, fallen ihm seine Songs zu:

Chris Rea über seine Songideen [12 Sekunden]

Die meisten Songs drehen sich um Mann und Frau – im Auto! Hauptsächlich, weil ich so oft im Auto sitze, wie jeder auf dieser Welt. Das ist der Ort, an dem mir in der Tat all meine Songideen kommen.

Das mag zunächst oberflächlich klingen, doch dieser Eindruck täusch. Sucht Chris Rea doch auch dunkler gefärbte Themen wie etwa in “Last Train“, seinem Lieblingssong auf “Road Songs For Lovers“:

Chris Rea über "Last Train" [30 Sekunden]

Ich mag “Last Train“, weil ich auf einen psychologischen Aspekt gestoßen bin, der mich wirklich sehr interessierte: Denn es ist nicht der letzte Zug nach Hause. Normalerweise sind die letzten Züge die nach Hause. Aber für die Person im Song sind die Dinge so schlecht gelaufen, dass dies einfach nur der letzte Zug ist. Das ist alles, was man weiß. Man weiß nicht, wohin er fahren wird, noch woher er gekommen ist. Man sollte einfach sehen, dass man den letzten Zug bekommt, ohne zu wissen, wohin dieser fahren wird. Diese Vorstellung gefiel mir einfach und ich habe diesen Song gerne geschrieben. 

Ein Meister der groovenden Rhythmen

So fährt Chris Rea auf "Road Songs For Lovers“ zwar einerseits seinen Sorgen davon. Andererseits begibt er sich in einen Zug mit unbekanntem Ziel. Und dieser Nachtzug steht ebenso für das Leben wir es der Roadtrip durch den heißen Sommernachmittag tut. Rein musikalisch stellt Chris Rea mit seinen neuen Songs wieder einmal unter Beweis, dass er ein Meister der sparsamen, aber ungemein groovenden Rhythmen ist. Das gesamte Album atmet eine wunderbare Gelassenheit, die schlicht auf Könnerschaft beruht. Damit spielt der vom Leben durchgerüttelte Künstler sich wie gewohnt auf ehrliche Weise in die Herzen seiner Zuhörer. Also sollten wir zu Chris Rea ins Auto steigen und eine musikalische Runde mit ihm drehen!

Christian Höltge

Chris Rea “Road Songs For Lovers”

BMG Rights Management (UK) Ltd.
EAN: 4050538307252
VÖ: 29. September 2017
TitelDauer
Happy on the Road3:46
Nothing Left Behind5:29
Road Songs for Lovers4:13
Money5:57
Two Lost Souls4:46
Rock My Soul4:07
Moving On5:10
The Road Ahead4:16
Last Train6:33
Angel of Love4:29
Breaking Point5:54
Beautiful3:40

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 2. Oktober 2017, 16:40 Uhr

Offizielle Künstlerseite

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