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Porträt Roger McGuinn

Amerikas Antwort auf den Merseybeat

13. Juli 2017

Roger McGuinn ist einer der bekanntesten Unbekannten der Rockmusik. "Unbekannt", weil sein Name relativ selten auf einem Plattencover zu lesen ist. "Bekannt", weil zwei Takte von seiner Gitarre ausreichen und schon wird klar, mit wem wir's zu tun haben: Roger McGuinn hat den Sound der Byrds mit seiner unverkennbaren Gitarre und seiner Stimme im schwebenden Harmoniegesang geprägt. Zum 75. gratuliert Joachim Deicke für Bremen Eins.

Roger McGuinn [Quelle: Imago/Future Image]
Roger McGuinn [Quelle: Imago/Future Image]

Mitte der Sechziger war die Musikszene der USA völlig von der Rolle. Zum ersten Mal war sie abgehängt worden, denn plötzlich war England angesagt. Der Merseybeat war das populäre Genre: Gitarrensongs mit Pilzkopf-Charme. Doch die Byrds hatten dafür ein Gegenmittel. Sie spielten einen rundum amerikanischen Beat. Bis 1965 stand bei fast jedem amerikanischen Song der Rhythm'n'Blues Pate: Musik mit einem afroamerikanischen Kick. Erst Roger McGuinn und die Byrds bohrten die amerikanische Folkmusic als andere Quelle an. Seine Musiklehrerin sorgte sogar dafür, dass Roger McGuinn ein College besuchen konnte, wo man sich um diese Form der Musik kümmerte. "Folkmusic" ist im Sprachgebrauch der Vereinigten Staaten alles, was aus dem Erbe europäischer Einwanderer stammt: Lieder und Tänze aus der alten Heimat, manchmal mit neuen Texten und weitergeführt von Leuten wie Pete Seeger, Woody Guthrie und dem jungen Bob Dylan mit "Mr. Tambourin Man".

Roger McGuinn ist einer der bekanntesten Unbekannten der Rockmusik. "Unbekannt", weil sein Name relativ selten auf einem Plattencover zu lesen ist. "Bekannt", weil zwei Takte von seiner Gitarre ausreichen und schon wird klar, mit wem wir's zu tun haben: Roger McGuinn hat den Sound der Byrds mit seiner unverkennbaren Gitarre und seiner Stimme im schwebenden Harmoniegesang geprägt. Zum 70sten gratuliert Joachim Deicke für Bremen Eins.

Autor/-in: Joachim Deicke
Länge: 2:56 Minuten
Datum: Donnerstag, 13. Juli 2017
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Beatles als Inspiration

Als Roger McGuinn zum ersten Mal die Beatles hörte, entdeckte er bei ihnen ähnliche Akkordfolgen wie in Folksongs. Das brachte ihn auf die Idee, seine Folksongs einfach mal mit einem Beatle-Beat zu spielen. Er probierte den neuen Stil in den Folkklubs von New York aus. Und das Publikum hasste es. Das seien eben Folk-Puristen gewesen, so McGuinn in einem Interview. An der Westcoast fand McGuinn Gleichgesinnte. Zusammen mit Chris Hillmann und David Crosby gründete er 1964 die Byrds, die schon wenig später als "Amerikas Antwort auf die Beatles" gehandelt wurden. Der große Wurf war aber Roger McGuinnes neues Instrument. Er hatte das Banjo gegen eine zwölfsaitige E-Gitarre eingetauscht. Sie wurde sofort zum Markenzeichen der Byrds.

1967 schwenkten die Byrds zu psychedelischer Musik gefolgt von makellosem Country-Rock. Acht Jahre lang von 1965 bis 1973 kam niemand an ihnen vorbei. Heute bietet man den Byrds Millionen für eine Wiedervereinigung. Aber Roger McGuinn hat daran kein Interesse mehr. Es wäre einfach nicht das Gleiche. Sie wären nur ein paar Kerle, die noch mal abkassieren wollten. Klar: Die Fans wären begeistert, aber Roger McGuinn wär's nicht.

Autor: Joachim Deicke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 13. Juli 2017, 10:50 Uhr

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