Livestream

Bremen Eins Buntes

Jetzt neu: butenunbinnen.de, alles wichtige aus der Region

Sturm erwartet

Wenn in Bremerhaven Dachziegel fliegen

13. September 2017

"Sebastian" zieht im Tagesverlauf über Norddeutschland hinweg – ein Orkantief, das es in sich hat: Böen mit Windstärke 11 sind für Bremerhaven prognostiziert, Bremen trifft der Sturm etwas abgeschwächt. Michael Theusner ist Meteorologe beim Klimahaus in Bremerhaven. Er erklärt, was genau auf uns zukommt – und warum man am Nachmittag lieber zuhause bleiben sollte.

Deich in Bremerhaven [Quelle: Radio Bremen, Dirk Bliedtner]
In Bremerhaven soll es im Tagesverlauf mächtig Wind geben. [Quelle: Radio Bremen, Dirk Bliedtner]

Radio Bremen: Herr Theusner, was kommt da am Mittwoch auf uns zu?

Theusner: Das Orkantief "Sebastian" ist durch den Temperaturunterschied zwischen Arktis und unseren mittleren Breiten über dem Atlantik entstanden. Es zieht nun über die Nordsee – und je dichter es an uns herankommt, desto stärker wird es. Der Höhepunkt des Sturms ist am Mittwoch-Nachmittag. Dann gibt es orkanartige Böen bis zu Windstärke 11, also etwa 105 Stundenkilometer.

Radio Bremen: Ist das ein Ausläufer von "Irma", die die US-Ostküste verwüstet hat?

Theusner: Nein, das sind vollkommen unterschiedliche Wetterphänomene. Hurrikane entstehen unter tropischen Bedingungen und können viel, viel stärker werden als unsere Orkan-Tiefdruckgebiete. Hurrikane entstehen vor allem durch extrem warmes Ozeanwasser oberhalb von 26 oder 27 Grad. Dort verdunstet sehr viel Feuchtigkeit, es bilden sich riesige Gewitterwolken. Diese Phänomene sind viel extremer. Bei "Irma" gab es Windgeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern. Der Rekord in Bremerhaven liegt bei 160 km/h.

Karte von Norddeutschland, die Küstengebiete sind rot markiert. [Quelle: Radio Bremen, Montage]
Im Küstenbereich wird der Wind stärker als im Landesinneren erwartet. [Quelle: Radio Bremen, Montage]

Radio Bremen: Und auf was müssen wir uns bei "Sebastian" konkret einstellen?

Theusner: Lassen Sie sich nicht von gutem Wetter täuschen – es kann morgen zunächst durchaus heiter aussehen. Sie sollten sich trotzdem möglichst nichts für draußen vornehmen. Erledigen Sie Ihre Einkäufe lieber vormittags. Böen mit Windstärke 11 sind schon sehr ordentlich, da können bereits Dachziegel von Häusern fliegen. Dadurch, dass der Sturm so früh im Jahr kommt, haben wir eine zusätzliche Gefahr: Die Bäume tragen noch Laub. Damit sind sie vom Wind besser angreifbar und können schneller umstürzen. Das ist bei Stürmen eine der häufigsten Ursachen von Personenschäden.
Die Stadt Bremen ist übrigens etwas weniger stark betroffen. Landeinwärts werden Stürme abgebremst. Dort haben sie dann etwa zwei Windstärken weniger Kraft.

Radio Bremen: Ist es nicht reichlich früh für so heftige Herbststürme?

Theusner: Ja, es ist ungewöhnlich, dass ein solcher Sturm schon im September kommt. Normalerweise treten sie später im Herbst auf. Wir merken, dass das Wetter grundsätzlich unter anderen Bedingungen abläuft. Das CO2 erwärmt die Luft weiter. Ob wir es mit einem Klimawandel zu tun haben, wäre aber noch zu untersuchen. Dafür sind langfristigere Messungen nötig.

Das Gespräch führte Boris Hellmers-Spethmann.

Buntes
Mehr in der Rubrik "Buntes"